Schuldenkrise
IWF stoppt Gespräche mit Griechenland

IWF-Chefin Lagarde hatte sich auf ein allerletztes Angebot für Griechenland eingelassen – doch Premier Tsipras feilscht weiter. Der Fonds sieht keinerlei Fortschritte und verlässt kurzerhand die Verhandlungen in Brüssel.
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WashingtonDer Internationale Währungsfonds hat offenbar genug von der mühsamen Suche nach einem Kompromiss in der griechischen Schuldenfrage. Genervt von dem ständigen Hin und Her teilte der IWF nun mit: Man werde die Gespräche mit der griechischen Regierung vorerst stoppen.

IWF-Sprecher Gerry Rice sprach am Donnerstag von „bedeutenden Differenzen“ zwischen dem IWF und der Regierung in Athen. In ungewöhnlich scharfen Tönen kritisierte Rice den Mangel an Kompromissbereitschaft des kurz vor der Staatspleite stehenden Landes. Das IWF-Team habe die Verhandlungen in Brüssel verlassen und sei zurück nach Washington gekehrt. Es habe zuletzt keinerlei Fortschritte gegeben, um Differenzen beizulegen. „Der Ball liegt nun sehr deutlich im griechischen Feld“, sagte Rice.

Vergangene Woche war IWF-Chefin Christine Lagarde noch nach Berlin gereist, um mit Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Francois Hollande, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EZB-Präsident Mario Draghi ein allerletztes Angebot zu formulieren.

Darin kamen sie den Griechen weit entgegen und lockerten die Sparvorgaben. So soll Athen in diesem Jahr nur noch einen Primärüberschuss – also ohne Schuldendienst – von einem Prozent erreichen. In den Jahren 2016 und 2017 dann zwei beziehungsweise drei Prozent.

Doch auf dieses Angebot antwortete die Regierung von Alexis Tsipras mit einem Gegenvorschlag, der deutlich von den Vorstellungen der Gläubiger abwich. Das Zugeständnis – Primärüberschuss von einem Prozent in diesem Jahr – kontert er mit noch niedrigeren Zahlen: 0,75 Prozent für dieses Jahr und 1,75 Prozent für das nächste. So ging das Feilschen am Mittwochabend in Brüssel weiter – allerdings ohne den IWF. Nun ist den Verhandlungsführern des Fonds offenbar der Geduldsfaden gerissen.

Bislang war es Alexis Tsipras, der versuchte, das Horrorszenario eines Grexit zu zeichnen und so die Bedingungen für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone zu seinen Gunsten zu verbessern. Nun dreht der IWF den Spieß um und erhöht seinerseits den Druck auf Athen. Anders als die anderen Gläubiger – EU und EZB – kann der Währungsfonds nüchterner mit der Drohgebärde eines Grexits umgehen. Kanzlerin Angela Merkel betont in diesen Tagen dagegen auffällig häufig, dass sie Griechenland unbedingt in der Währungsunion halten will und möglicherweise zu weiteren Zugeständnissen bereit ist.

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  • "Die Irrfahrten des Alexis Tsipras"

    Diese These kann ich nicht erkennen. M.E. ist Tsipras der einzige, der Kurs hielt.

    Weshalb?
    Tsipras hatte nie Reformpläne vorgelegt und gleichzeitig behauptet, dass man unmittelbar vor der Lösung stehe. Das ist überall nachlesbar.

    Die Lösung ist, wie wir heute wissen, der wirtschaftliche Zusammenbruch Griechenlands. Griechenland bricht nicht jetzt zusammen, sondern war schon lange zusammengebrochen. Die europäischen Politiker brauchten einfach mehr Zeit zum Risikotransfer und zur Vertuschung.

    Bleiben Sie fair und weisen die Schuld korrekt zu!

    Dieser wirtschaftliche Zusammenbruch Griechenlands wurde von den übrigen Politikern der Eurozone mit immer wieder frischem Geld zu Lasten deren Steuerzahlern hinausgezögert. Dies war "alternativlos", weil die Forderungen Griechenalnds noch in den falschen Händen, den europäischen Banken lagen.

    Es waren also die europäischen Politiker, die die Verschiebung der Lösung verantworten.

    Ob man diese Verschwendung von Steuergeld seitens der Politiker einfach so hinnehmen darf, darüber wird noch zu debattieren sein.

    Die Vernichtung von hunderten von Milliarden Euros an Volksvermögen verbunden mit dem Anstieg der Altersarmut in Deutschland, der Enteignung der Lebensversicherten als Folge der EZB-Politik, der Zusammenbruch der Altersversorgung vieler Bürger, der Zusammenbruch von Banken und Versicherungen in Deutschland, all dies hat einen Namen; Merkel und Schäuble.

    Dennoch wäre es nicht fair, diesen beiden "Nasen" die alleinige Schuld zuzuweisen. Es gibt noch mehr Leute in der Bundesregierung und im Parlament, die zwar keine Ahnung haben und lediglich "nach Wissen und Gewissen" aber ohne Fachwissen arbeiten, die gleichsam zur Verantwortung zu ziehen sind.

    Es ist mir klar, dass Politiker sich zwar für zuständig aber für unverantwortlich halten. Aber genau diesen Punkt müssen wir klarstellen, wenn wir die derzeitige Situation aufarbeiten und die künftige Situation effektiver managen wollen.

  • Die Irrfahrten des Alexis Tsipras
    ---------------------
    Er will/braucht Geld von der Troika und stellt unverschämte Forderungen.
    Wenn die Troika ihm entgegen kommt, werden die Forderungen noch unverschämter.
    Er fühlt sich nicht als Bittsteller - der er aber ist - sondern als Forderer.
    Er verträgt keinen Widerspruch und pokert weiter.
    Als Bittsteller will er die Bedingungen diktieren. Alles hört auf sein Kommando.
    .

  • Griechische Drohgebärden
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    Tsipras malte im Falle eines Grexits ein Horrorgemälde an die Wand.
    Darauf fällt der IWF nicht herein.

    Nun dreht der IWF den Spieß um und erhöht seinerseits den Druck auf Athen. Anders als die anderen Gläubiger – EU und EZB – kann der Währungsfonds nüchterner mit der Drohgebärde eines Grexits umgehen.

    Kanzlerin Angela Merkel betont in diesen Tagen dagegen auffällig häufig, dass sie Griechenland unbedingt in der Währungsunion halten will und möglicherweise zu weiteren Zugeständnissen bereit ist.


    Merkel fällt natürlich auf Tsipras herein und schaltet in den Panikmodus.
    Wenn Tsipras etwas ablehnt, knickt sie sofort ein und kriecht zu Kreuze.
    Sie lässt sich von ihm am Nasenring durch die Manege führen.

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