Schuldenkrise
Obama zerpflückt Euro-Krisenmanagement

Europa handelt nicht schnell genug gegen die Krise und "versetzt damit die ganze Welt in Angst", poltert der US-Präsident. Die eigenen Probleme verschweigt er - gegen die Schuldenkrise hat er sein eigenes Mittel.
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Mountain ViewUS-Präsident Barack Obama hat seine Kritik am Krisenmanagement der Europäer erneuert. Wenn es der Weltwirtschaft nicht gut gehe, habe Europa seinen Anteil daran. „Sie bemühen sich, verantwortungsvoll zu handeln, aber diese Aktionen waren nicht ganz so schnell, wie es nötig gewesen wäre“, bemängelte Obama am Montag (Ortszeit) bei einer Veranstaltung des Business-Netzwerks LinkedIn im kalifornischen Mountain View.

Europa habe sich niemals von der Krise 2007 erholt, meinte Obama. „Und sie haben nie umfassend auf all die Herausforderungen reagiert, denen ihr Bankensystem ausgesetzt war.“ So vernetzt wie die Welt sei, „trifft dies auch uns“.

Unterdessen wurde in Washington ein erneuter Finanzkollaps der Regierung fürs erste abgewendet. Der Senat machte am Montagabend mit breiter Mehrheit den Weg frei für einen Übergangsetat bis Mitte November. Damit wird verhindert, dass der Regierung zum 1. Oktober, dem Beginn des neuen Haushaltsjahres 2012, das Geld ausgeht und Bundesbehörden schließen müssen. Auch aus dem Repräsentantenhaus, wo die Republikaner die Mehrheit haben, wurde Zustimmung signalisiert.

Es ist bereits das dritte Mal in diesem Jahr, dass in den USA eine Lahmlegung der Regierung und der Bundesbehörden drohte. Viele Ämter, Nationalparks und andere staatliche Einrichtungen hätten schließen, Bundesangestellte in Zwangsurlaub gehen müssen. Im Frühjahr und Sommer konnte eine solche Zuspitzung erst nach erbitterter Konfrontation zwischen Demokraten und Republikanern in letzter Minute abgewendet werden.

Allerdings stehen weitere Finanzstreits bereits an. So muss das Parlament bis Ende des Jahres sich zur Frage äußern, wie die USA ihre enorme Schuldenlast von über 14 Billionen Dollar (rund zehn Billionen Euro) langfristig abbauen wollen. Präsident Obama hat bereits klargemacht, dass er dabei neben Kürzungen im Sozialbereich auch auf höhere Steuern für die Millionäre beharren werde. Dagegen lehnen die Republikaner Steuererhöhungen kategorisch ab.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schuldenkrise: Obama zerpflückt Euro-Krisenmanagement"

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  • Herr Obama, was haben Sie eigentlich geleistet um den Investmentbänkern Ihr schon fast kriminelles Handwerk zu legen??? Sie waren ja wohl auch in Pittsburgh und haben die folgenden Minimaßnahmen mit unterschrieben (und alles andere tapfer zu Gunsten Ihrer Bänkerfreunde boykottiert).

    Beschlüße von Pittsburgh 2009

    "Manager-Prämien
    Die G20-Chefs stellten erstmalig internationale Regelungen zur Begrenzung von Bonuszahlungen an Finanzmanager auf. Die Prämien sollen sich an 'langfristiger Wertschaffung und nicht an exzessiven Risikoinvestitionen' orientieren. Garantierte Bonus-Zahlungen soll es nicht mehr geben. Auszahlungen sollen verzögert und bevorzugt in Aktien getätigt werden: Bricht der Gewinn ein, sollen die Prämien zurückgehalten werden. Die Boni sollen zudem einen bestimmten Prozentsatz des Eigenkapitals nicht übersteigen. Außerdem gelten schärfere Transparenzregeln.

    Reform der Finanzmärkte
    Um eine Wiederholung der Krise zu verhindern, sollen die Banken künftig mehr Eigenkapital vorhalten. Dieses soll als Puffer in Krisenzeiten dienen und neue staatliche Rettungsaktionen unnötig machen. Bis Ende 2010 sollen die Mitgliedsstaaten neue Regeln zu Qualität und Quantität von Eigenkapital ausarbeiten. Erst bis Ende 2012 sollen die neuen Anforderungen umgesetzt werden, um den Banken Zeit zur Erholung zu geben. Die USA wollen sich bis 2011 den strengeren europäischen Regeln (Basel II) unterwerfen"

    Ja was ist nun damit? Jetzt wird es aber Zeit endlich vor Ihrer eigenen Türe zu kehren und den Schurz wackeln zu lassen. Auf gehts, los... aber warscheinlich ist es einfach leichter über andere herzuziehen als wirklich etwas zu stande zu bringen.

  • So so, wir, die Europäer, haben uns also nie richtig von der 2007ner Krise erholt. Wer hat die eigentlich ausgelöst, Herr Obama?

    Und wir würden mit der Euro-Krise jetzt auch noch "seine" USA bedrohen. Wie das? Ist es nicht eher so, daß gerade amerikanische Banken und Finanzunternehmen mit den billigen QE1 und QE2 Geldern, statt damit die eigene Industrie besser aufzustellen, Investitionen gerade auch in Schwellenländern tätigen und dadurch bis jetzt schwere Schieflagen in den Bilanzen dieser Staaten hervorgerufen haben? Der Rest dieser Gelder floß zudem zu großen Teilen in die Rohstoffbörsen und verteuerten dadurch die Energie- und Lebensmittelpreise. Die Preisteigerungsrate liegt kurz vor vier Prozent ist rein hausgemacht, lieber Herr Obama.

    Abgesehen davon befinden Sie sich ja mitten im Wahlkampf. Da kann man schon mal Unsinn reden, hauptsache man kann den Wählern einen Schuldigen an den eigenen Problemen liefern. Ich fürchte nur, der Durchschnittsamerikaner ist dumm genug, Ihnen das auch noch abzukaufen.

  • Einer der im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen! Obama ist doch nur ein Verwalter der amerikanischen Schulden. Es wird Zeit, dass sich die US-Regierung auf ihr eigenes Land konzentriert, die eigene Armut beseitigen, ihren Staatshaushalt in Ordnung bringen - erst dann sollten sie wieder unter ihrem Stein hervorkriechen und den Mund aufmachen.

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