Schuldenkrise
Wird Slowenien Zyperns Schicksal ereilen?

Sloweniens Zentralbank fordert, rasch einen Plan zur Sanierung kriselnder Banken zu schaffen. Notleidende Kredite sollen inzwischen ein Fünftel des Inlandsprodukts aus machen. Seit vier Jahren hält eine Rezession an.
  • 27

Die neue Regierung Sloweniens muss nach Einschätzung der Zentralbank des Landes verhindern, dass die Nation zum Schauplatz des nächsten Kampfes um ein Rettungspaket in der Eurozone wird.

Das Kabinett von Ministerpräsidentin Alenka Bratusek müsse rasch einen Plan zur Sanierung der in Schwierigkeiten geratenen Banken des Landes durchführen, forderte die Banka Slovenije am Montag. Das mitteleuropäische Land muss dieses Jahr rund 3 Mrd. Euro beschaffen und die Banken benötigen eine Milliarde Euro an frischem Kapital, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) vergangene Woche errechnete.

Die großen slowenischen Banken wie Nova Ljubljanska Banka kämpfen mit notleidenden Krediten, die inzwischen ein Fünftel des slowenischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausmachen. Damit mehren sich die Sorgen der Investoren, dass Slowenien als nächstes Land um Hilfe ersuchen muss.

“Wenn die Regierung mit der Umsetzung des Plans beginnt, wird sie schlussendlich einen Hilfsantrag an die EU vermeiden können”, sagt Lutz Röhmeyer, Fondsmanager bei Landesbank Berlin Investment. “Wenn sie sich nicht bewegen und nichts tun, denke ich, dass wir in ein paar Monaten die nächste Krise in Slowenien haben werden.”

Befürchtungen, dass die Bankenprobleme Sloweniens einen Hilfsantrag auslösen werden, haben die Renditen der slowenischen Benchmark-Dollaranleihe hochgetrieben. Am Dienstag stieg die Rendite der 2022 fälligen Papiere auf 5,67 Prozent, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.

Slowenische und ungarische Banken sind nach Einschätzung von Standard & Poor's Ratings Services die am meisten gefährdeten in der Region. Analysten um Pierre Gautier in Paris bezifferten den Anteil fauler Kredite in einer am Montag veröffentlichten Studie auf 20 Prozent, wobei er weiter steige.

Nova Ljubljanska, die größte Bank des Landes, hat für 2012 einen Verlust von 275 Mio. Euro berichtet und damit das vierte Jahr in Folge rote Zahlen geschrieben. Nova Kreditna Banka Maribor verzeichnete im vergangenen Jahr einen Verlust von 205 Mio. Euro. Die Aktie der Bank fiel auf den niedrigsten Stand seit ihrem Börsengang 2007, nachdem der Staat seinen Anteil über einen Tausch von Verbindlichkeiten gegen eine Beteiligung auf 79 Prozent ausgebaut hatte. In der vergangenen Woche büßten die Aktien mehr als 40 Prozent ihres Wertes ein.

Im vergangen Jahr benötigte Nova Ljubljanska 381 Mio. Euro an Kapital, das Slowenien und staatliche Stellen bereitstellten. Der zweitgrößte Anteilseigner KBC Groep nahm an der Kapitalerhöhung nicht teil, da die Bank dafür keine Genehmigung der Europäischen Kommission erhielt.

Nachdem Slowenien über den größten Teil des vergangenen Jahrzehnts bei der wirtschaftlichen Entwicklung besser abgeschnitten hatte als die Eurozone, brachte die Schuldenkrise und die damit einhergehende schwächere Nachfrage das Land unter Druck. In den vergangenen vier Jahren verzeichnete die slowenische Wirtschaft zwei Rezessionen. Das BIP im vierten Quartal 2012 lag drei Prozent niedriger als im gleichen Quartal des Vorjahres.

Dazu kommt, dass mit der Finanzkrise die zuvor niedrige Staatsverschuldung zunahm. Nach Einschätzung von Timothy Ash, Chefvolkswirt Schwellenmärkte bei Standard Bank Plc in London, wird die Staatsschuld von rund 30 Prozent des BIP im Jahr 2008 auf 60 Prozent in diesem und 70 Prozent im nächsten Jahr anschwellen.

Slowenien könne jedoch aufgrund der zuvor niedrigen Verschuldung auch ohne “drastische Maßnahmen” überleben, sagt Lazlo Belgrado, Fondsmanager bei KBC Asset Management SA in Luxemburg. Allerdings könnten Ansteckungseffekte durch eine Verschlimmerung der europäischen Krise das Land unter Marktdruck bringen, da seine Volkswirtschaft vergleichsweise klein sei, führt er aus.

Das Land ist nicht zu groß, um zu scheitern und hat einige der gleichen Probleme wie Zypern. Während des Booms vor der Lehman-Pleite war die Wirtschaft etwas zu sehr fremdfinanziert. Und die Banken kämpfen jetzt mit einem großen Kreditproblem.”

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schuldenkrise: Wird Slowenien Zyperns Schicksal ereilen?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das haben Sie schon etwa 25 mal gesagt.

    ...

    'Henry' spammt, und 'margrit117888' klatscht begeistert Beifall.











  • Der Euro ist eben doch ein 2. Versailles ohne Krieg - bis jetzt
    Diese Aussage von einem Franzosen trifft ja mehr und mehr zu

  • netshadow
    Also Ihre Forderung geht ja gar nicht.
    Wenn wir das täöten undsere Sozialsysteme zu überdeken, dann wären wir doch wieder alle Nazis.
    Aber nicht, weil Fremde das sagen, sondern weil uns die Nazikeule vorrangig von den Grünen um die Ohren gehauen wird. Und es funktioniert ja auch immer noch, weil halt auch die Presse fleißig mitmacht
    Ist man nicht auf linker Linie, ist man ein Nazi, so einfach ist das hier

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%