Schuldenpoker
Hat Tsipras sich verzockt?

Mit immer neuen Volten strapaziert der griechische Premier die Nerven seiner Geldgeber. Beim Treffen der Euro-Finanzminister wollen sie ihn vor die Wahl stellen: Reformvertrag oder Staatspleite.
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BerlinAm Samstagmorgen wird Wolfgang Schäuble (CDU) sich wieder auf den Weg nach Brüssel machen, ein viertes und letztes Mal in dieser Woche. Der Showdown im griechischen Schuldenstreit steht an. Dem Treffen der Euro-Finanzminister „kommt eine entscheidende Bedeutung zu“, machte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der vergangenen Nacht deutlich. „Denn die Zeit drängt.“

Fristen und Ultimaten gab es in den vergangenen Monaten viele im Schuldenpoker mit Athen. Aber nun steht tatsächlich das Wochenende der Wahrheit bevor. Wenn es bis Sonntag keine Einigung gibt, dann ist die Staatspleite Griechenlands kaum mehr zu verhindern. Der Geduldsvorrat der griechischen Geldgeber ist aufgebraucht.

Grund sind die vielen Finten und Volten des griechischen Premiers Alexis Tsipras in dieser Woche. „Chaotisch“ und „zerrüttet“ – so beschreibt ein erfahrender Euro-Retter den Verhandlungsverlauf. Es begann hoffnungsvoll am Montag, als Tsipras erstmals ein Papier mit konkreten Reformangeboten vorlegte. Und es endete Donnerstag desillusioniert, als Tsipras den Kontrolleuren von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) einen überarbeiten Entwurf vorlegte. „Die Griechen sind hinter ihre eigenen Zusagen wieder zurückgefallen“, beklagt ein Vertreter der Institutionen. Egal ob Mehrwertsteuer, Rente oder Strukturreformen – überall hätte es Donnerstag Rückschritte gegeben.

Der Optimismus ist zerstört. „Die Meinungsverschiedenheiten werden nicht kleiner, sondern größer“, heißt es im Umfeld von EU, EZB und IWF. Nach den langwierigen, aber weitgehend ertragslosen Verhandlungen, die sich von Mittwochmittag fast durchgehend bis Donnerstagabend gezogen haben, steht für einen Vertreter der Geldgeber-Institutionen fest: „Die Griechen haben nicht ernsthaft mit uns verhandeln wollen.“

Tsipras hatte es von Anfang auf Gespräche mit den übrigen Regierungschefs abgesehen. „Er wollte in den Gipfel“, sagt ein Vertreter der Euro-Zone. Doch vor allem Merkel ließ ihn am Donnerstagabend auflaufen. Sie hielt das Schuldendrama fern vom Treffen der Staats- und Regierungschefs, das noch bis Freitagnachmittag andauert. „Es muss sehr viel technische Arbeit geleistet werden“, verwies die Kanzlerin Tsipras zurück an EU, EZB und IWF.

Für den Griechen ist das ein Desaster. Er hat sich verzockt und kommt in eine zunehmend ausweglose Lage. Die Experten der Geldgeber-Institutionen wollen Freitag weiter an ihrem Reformplan feilen. Der soll dann Basis für die Verhandlungen der Euro-Finanzminister am Samstag werden – und nicht das griechische Papier. Schäuble und seine Kollegen wollen den Griechen die Pistole auf die Brust setzen: Entweder sie akzeptieren das Angebot von EU, EZB und IWF – oder es gibt keinen Deal. „Take it, or leave“, das sei nun die Devise.

Kommentare zu " Schuldenpoker: Hat Tsipras sich verzockt?"

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  • GR muss jetzt Schadenersatz leisten für den Betrug aller EU-Mitglieder mit falschen Haushalts Daten beim Eintritt in die EU und für den Kreditbetrug , mit dem sich GR Jahrzehntelang ein 'Dolce Vita' ohne Reformanstrengungen vom Rest der EU bezahlen liess.

    Tsipras muss außerdem rasch zurücktreten wegen Verhöhnung der EU.

  • Herr Ruul Weißnichtwie26.06.2015, 14:38 Uhr

    Machen Sie die Augen auf! Sie haben es mit hochkarätigen Pokerspielern zu tun!

    Das mit den Gas und Ölvorkommen im Ägäische Meer ist seit langen bekannt!

    Oder glauben Sie allen ernstes, das sich die Türken und Griechen um eine vertrocknete Dattelpalme auf der Insel Zypern streiten.

    Werden Sie wach!
    Die Option Kohle (Euros) gegen Gas und Erdöl, soll oder will man in Deutschland nicht diskutieren.

    Warum wohl?

  • Herr Hans Mayer26.06.2015, 10:38 Uhr

    Unfassbar arrogant und nicht den Tatsachen entsprechend !
    Das hat schon den Straftatbestand der Volksverhetzung!

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