Schuldenschnitt in Griechenland
Banken feilschen um Nachkommastellen

Die Verhandlungsführer von Banken und griechischer Regierung wollen möglichst bis Sonntag endgültig die Eckdaten für den Forderungsverzicht festlegen. Erste Fortschritte deuteten sich am Freitagabend bereits an.
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AthenGriechenlands Regierung und Bankenvertreter haben Fortschritte in ihren Gesprächen für einen Schuldenschnitt erzielt. „Wir haben heute große Fortschritte in technischen, juristischen und anderen Themen erzielt“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Freitagabend. Die Gespräche des griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos und seines Finanzministers Evangelos Venizelos mit dem Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbandes (IIF) Charles Dallara und anderen Bankexperten sollen am Samstag fortgesetzt werden, hieß es.

Dies bestätigte auch ein Sprecher des Internationalen Bankenverbandes, berichtete das Staatsfernsehen (NET). Dallara soll als Vertreter der Banken einen etwas günstigeren Zins für die neuen Anleihen vorgeschlagen haben, die die alten griechischen Staatsanleihen ersetzen sollen. Nach Informationen aus griechischen Bankquellen sei nun ein Zinssatz von 3,8 Prozent im Gespräch. Noch vor wenigen Tagen habe Dallara 4,0 Prozent im Durchschnitt vorgeschlagen. Die Zinsen sollten aber steigen, wenn die griechische Wirtschaft wieder wachse. Der Zinssatz für die neuen Papiere ist ein zentraler Streitpunkt.

Griechenlands Ministerpräsident Lukas Papademos rechnet innerhalb der nächsten Tage mit einer Einigung über einen Schuldenschnitt für sein Land. „Wir haben in den vergangenen Wochen und besonders in den letzten Tagen deutliche Fortschritte erzielt“, sagte Papademos. Die Gespräche mit den privaten Gläubigern sollten so schnell wie möglich abgeschlossen werden, sagte Papademos. „Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass uns das in den kommenden Tagen gelingen wird.“

Die Gespräche standen mehrmals vor dem Aus. Eine Beteiligung der privaten Gläubiger ist Voraussetzung für ein zweites Hilfspaket für Griechenland über 130 Milliarden Euro. Auch hier ist Papademos optimistisch. Die Gespräche mit der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds sollten Mitte nächste Woche zu einem Abschluss kommen. „Lieber früher als später.“ Griechenland werde nicht pleitegehen, zeigte sich Papademos überzeugt. Das Land habe bei seinen Strukturreformen Fortschritte erzielt. „Es wurde viel mehr erreicht, als es manchmal aussieht.“

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Schuldenschnitt in Griechenland: Banken feilschen um Nachkommastellen"

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  • @ wiebitte
    Sind es denn nicht die Staaten? Aktuell geht es doch gar nicht mehr um eine Bankenkrise, sondern um eine Krise der Staaten. Diese waren es, die über ihren Maßen Geldaufnehmen wollten und letztlich bei den Banken um "Kredite" in welcher Form auch immer aufzunehmen. Dass die Banken einen Staat der EU als Gläubiger gerne dankbar annehmen und das geforderte Geld auch zur Verfügung stellen ist selbstverständlich. Dennoch sind jetzt die Staaten in der Pflicht, nicht die Banken! Oder würden Sie ihr verliehenes Geld nicht wieder haben wollen?

  • Egal was Papademos sagt, de facto ist Griechenland pleite. Die Gespräche zwischen Gläubigern und Schuldner sind nichts anderes als ein Teil eines unorganisiert ablaufenden Insolvenzverfahrens, bei dem es um Schuldenbereinigung und Auszahlungsquoten geht.

  • Die derzeitige Regierung wird sich noch "vehement" gegen diese Wünsche äußern, vor allem je näher der Wahltermin 2013 rückt, dann aber wird es kein Halten mehr geben und der Verzicht auf hunderte Milliaden Euro wird "alternativlos" mit einem Federstrich von statten gehen. Bei der SPD und den Grünen würde dieser Verrat am deutschen Steuerzahler und der übrigen Bürger noch viel schneller gehen, sie wünschen sich ja jetzt schon mehr Solidarität mit den Banken. Alle Beteiligten werden zwar erklären, dass es dieser Solidarität innerhalb Europas für Europa unbedingt bedarf, tatsächlich wird aber mal wieder den ansonsten bankrotten Banken geholfen und selbstverständlich wieder ohne Gegenleistung. Bezahlt werden wird das mit Steuererhöhungen und starken Einschnitten von staatlichen Leistungen, z.B. dann mit einer Agenda 2020.

    Werdet euch endlich bewusst, diese Politiker sind demokratiefeindlich und vorallem Feinde der sozialen Marktwirtschaft. Die "Staße" hätte das Recht sie alle aus ihren Ämtern zu jagen, wir können und dürfen das, wir brauchen nur einen neuen 9. November 1989.

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