Schweiz
Müssen wir bald draußen bleiben?

Knallen die Schweizer den Deutschen die Tür vor der Nase zu? Am Sonntag stimmen sie über die Wiedereinführung von Zuwanderungs-Kontingenten ab. Die Folgen des Urnengangs reichen weit über die Schweiz hinaus.
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ZürichDer Aufwand ist beachtlich: Drei von sieben Mitglieder der Schweizer Regierung, dem Bundesrat, touren seit Wochen durch das Land, um dem Wahlvolk von der Versuchung zu widerstehen, sich am 9. Februar zu einer Protestvotum hinreißen zu lassen. „Tour de Schiss“, spottete schon die Schweizer Boulevard-Zeitung „Blick.“ Denn es steht viel auf dem Spiel.

Worum geht es: Am besagten 9. Februar stimmen die Schweizer über die die Volksinitiative der national-konservativen SVP ab. Die Partei von Christoph Blocher will per Verfassungsänderung die Regierung zwingen, mit der EU über die Wiedereinführung von Kontingenten zur Begrenzung der Einwanderung zu verhandeln.

„Seit 2007 kann die Schweiz nicht mehr selber bestimmen, wer für wie lange in unser Land kommt und wann er gehen muss“, argumentiert die SVP in ihrem „Extrablatt“, das sie jedem Bewohner in den Briefkasten steckte. Jedes Jahr strömen 80.000 Ausländer ins Land – so viel, wie die Stadt Luzern Einwohner hat. „Die Folgen dieser verhängnisfolgen Entwicklung sind jetzt schon erkennbar: Zunahme der Arbeitslosigkeit (...), überfüllte Züge, verstopfte Straßen, steigende Mieten und Bodenpreise, Verlust von immer knapperen Kulturland, Lohndruck, Ausländerkriminalität“ und und und.

Infografik

Wanderungsbilanz von Deutschen in die Schweiz

2002 – November 2013


Das ist gewohnte SVP-Rhetorik: Die Ausländer sind an allem Schuld. Doch am 9. Februar könnte die SVP-Kampagne erstmals nachhaltige Folgen für die Schweiz und Europa haben. Laut der jüngsten Umfrage des Instituts GFS.Bern sind mittlerweile 43 Prozent für die Initiative, das „Ja“-Lager hat satte sechs Punkte zugelegt. Die Gegner stellen nur noch 50 Prozent, der Rest ist unentschieden. „Es wird eng werden“, fürchtet auch Martin Landolt, Präsident der bürgerlichen BDP-Partei, die sich einst von der SVP abgespalten hatte.

„Zuwanderungsskepsis gibt es nicht nur im klassisch konservativen Lager“, warnt der Politgeograf Michael Hermann. Auch Linke und Grüne würden den Zustrom von Ausländern zunehmend kritisch sehen, weil sie das ungebremste Zubauen der Schweiz fürchten.

Kommentare zu " Schweiz: Müssen wir bald draußen bleiben? "

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  • Nunja, das Thema ist schwierig. Ein kleines Land wie die Schweiz muss natürlich die Frage nach seiner kulturellen Identität stellen, wenn rund 20% der Bevölkerung zugewandert ist. Aber: Alle rauswerfen ist der falsche Weg - gerade die Deutschen sind überwiegend sehr gut ausgebildet deren Steuern und Abgaben würden erstmal fehlen in der Schweiz. Ok, wir freuen uns natürlich darüber, wenn sie wieder zurückkommen. Auch unser Ärztemangel könnte etwas gemildert werden. Der teure Wohnungsmarkt ist ebenfalls ein Problem. Das könnten aber die jeweiligen Kommunen lösen, wenn sie mehr Immobiliengenossenschaften gründen würden, die Wohnungen an Kleinverdiener, an Menschen, die mindestens 10 Jahre im Land leben etc vergeben. Aber - Hand auf´s Herz: Das kriegen wir Deutschen auch nicht hin, sondern freuen uns, wenn unsere Kommunen alle Wohnungsgesellschaften an dubiose "Investoren" von den Kanalinseln verschleudern.

  • Ich bewundere die reale Demokratie der Schweizer. Sie ist beispielhaft entgegen der verkrusteten und verlogenen Scheindiktaturen Deutschlands und Europas. Die Schweizer haben sich ihre Eigenständigkeit bewahrt. Dazu kann man sie nur beglückwünschen. Volksabstimmungen in wichtigen Fragen, eine eigene flexible Währung, ein führender Finanzplatz, viel mehr Netto von Brutto für die Arbeitnehmer, gute soziale Absicherung und eine sichere Rente, keine Kriegseinsätze und Einmischung in fremde Länder. Ich wäre gern in der Schweiz geboren. Die deutsche politische Großkotzigkeit und der Zahlmeister für alle Welt gehen mir auf den Sack.

  • Ich finde den Werdegang in der Schweiz richtig und DEMOKRATISCH.

    Die deutschen und europäischen Parlamentarier können ja aus ihrem guten Willen heraus je 2 Großfamilien aus Rumänien und co bei sich zu Hause aufnehmen; mit den vom Volk gezahlten Diäten sollte das doch glatt machbar sein.

    Ich wette im europäischen Parlament sind sicherlich ausreichend Zimmer frei, und wenn nicht können die Herrschaften ja eine gemütliche Kommune daraus machen.

    Ich habe NICHTS gegen Ausländer; im Gegenteil. Aber die Regierung eines Landes (BRD) kann nicht die halbe Welt retten.

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