Schwere Vorwürfe gegen deutsche Behörden
Anwalt berichtet über Folter in Guantanamo

Religiöse und sexuelle Demütigungen, Elektroschocks, Psychoterror und tagelang nichts zu essen - so wurde ein aus Bremen stammender Guantanamo-Häftling von US-Militärs misshandelt. Sein US-Anwalt bittet nun die Bundesregierung um Hilfe.

HB BREMEN. US-Militärs haben nach Angaben des amerikanischen Rechtsprofessors Baher Azmy den seit drei Jahren in Guantánamo (Kuba) festgehaltenen Murat Kurnaz aus Bremen gefoltert. Er und andere Häftlinge seien gequält, mit dem Tode bedroht sowie religiös und sexuell gedemütigt worden, berichtete Azmy am Mittwoch in Bremen. Unter anderem habe Kurnaz Elektroschocks bekommen. Er sei mit dem Kopf in Wasser getaucht und mit einem Gewehr bedroht worden. Tagelang habe er nichts zu essen bekommen.

Der Jurist hat Kurnaz nach eigenen Angaben zwei Mal in der Haft besucht und rund 30 Stunden lang mit ihm gesprochen. Die Polizei in Pakistan hatte den heute 22-Jährigen Anfang 2002 verhaftet und wegen Terrorverdachts an die USA ausgeliefert. Er wird seitdem in dem US- Stützpunkt auf Kuba festgehalten.

Schwere Vorwürfe gegen deutsche Behörden erhob der Bremer Anwalt von Kurnaz, Bernhard Docke. In dem amerikanischen Belastungsmaterial seien Teile einer Akte der Bremer Staatsanwaltschaft über seinen Mandanten enthalten. Diese gelangten laut Docke jedoch nicht über die Bremer Staatsanwaltschaft in die USA. Sie habe es abgelehnt, der US- Justiz die Unterlagen über das eingestellte Ermittlungsverfahren zu übergeben. Zudem dürfe Deutschland keine Rechtshilfe bei drohender Todesstrafe leisten.

Deutsche Geheimdienstmitarbeiter hätten Kurnaz auf Kuba verhört, berichtete Azmy. Docke hielt es für möglich, dass sie dafür Informationen aus der Bremer Untersuchungsakte an US-Stellen gegeben haben. „Dies war jedoch naiv: Offenbar wurden diese Angaben missbraucht und von der US-Seite völlig anders interpretiert“, sagte Docke.

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