Schotten-Referendum
Cameron muss zittern

Befürworter und Gegner der Unabhängigkeit Schottlands befinden sich auf Augenhöhe. Nun debattiert London über die persönlichen Konsequenzen einer Abspaltung für den Regierungschef. So oder so wird dessen Karriere leiden.
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LondonEine Abspaltung Schottlands von Großbritannien würde dem britischen Premierminister David Cameron nach eigenem Bekunden das „Herz brechen“. So sagt er es zumindest während seines eindringlichen Appells an die schottischen Wähler, sich nicht vom Vereinigten Königreich abzuwenden. Tatsächlich droht Cameron wohl viel mehr als nur patriotischer Herzschmerz. Ein Ende der mehr als 300 Jahre währenden Union mit den Schotten könnte die politische Karriere des 47-Jährigen abrupt beenden und mit einem historischen Makel versehen.

Spätestens seit Umfragen die Befürworter und Gegner einer Unabhängigkeit Schottlands auf Augenhöhe sehen, debattiert London über die persönlichen Konsequenzen einer Abspaltung für den Regierungschef. Cameron dementiert, seine politische Zukunft vom Ausgang des Referendums am kommenden Donnerstag abhängig zu machen. Dennoch könnte ihm im Falle einer Niederlage keine andere Wahl bleiben, als im Parlament die Vertrauensfrage zu stellen.

„Das wäre das Mindeste, was er tun muss. Sonst wird jemand anders versuchen, ihn als Regierungschef zu entfernen“, sagt der Verfassungshistoriker John Barnes im Radiosender BBC. Trotzdem wäre so ein Schritt riskant. Sollten ihm auch die Abgeordneten seiner Tory-Partei und der verbündeten Liberaldemokraten das Vertrauen entziehen, würde der seit 2010 regierende Cameron in die historischen Fußstapfen von Lord Frederick North treten.

North ist der erste und bislang einzige britische Regierungschef, der vom Parlament aus dem Amt gejagt wurde. Unter seiner Regierung waren 1782 Großbritanniens amerikanische Kolonien verloren gegangen. Eine Ende der Union mit Schottland wäre für das Selbstverständnis des früheren Imperiums nicht weniger bedeutsam. Schottland repräsentiert ein Drittel der britischen Landmasse. Zehn der 52 Amtsvorgänger Camerons waren Schotten oder wurden in Schottland geboren. An der schottischen Küste ist die mit Atomraketen bestückte britische U-Boot-Flotte stationiert, die wesentlich zum Weltmachtstatus der Briten beiträgt.

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