Sechs Tote
Gefechte im Westjordanland

Beim schwersten inner-palästinensischen Zusammenstoß im Westjordanland seit fast zwei Jahren sind sechs Menschen getötet worden. In dem Feuergefecht am Sonntag in Kalkilja kamen drei Polizisten der Regierung von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas ums Leben sowie zwei Hamas-Kämpfer.

HB KALKILJA. Der sechste Tote war ein Zivilist, in dessen Haus sich die beiden Extremisten verschanzt hatten. Abbas bezeichnete die getöteten Hamas-Kämpfer als Gesetzlose. "Die palästinensischen Sicherheitskräfte werden mit eiserner Faust gegen jeden vorgehen, der die Interessen des palästinensischen Volkes verletzt", erklärte der vom Westen unterstützte Präsident laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa. Abbas hatte erst vor wenigen Tagen US-Präsident Barack Obama versichert, die Sicherheitsforderungen des internationalen Nahost-Friedensplans zu erfüllen. Der Plan verpflichtet die Palästinenser, gegen militante Extremisten vorzugehen und Anschläge auf Israel zu unterbinden.

Zu der Schießerei in Kalkilja kam es, als sich ein führender Kommandant der Hamas-Kampftruppen und sein Stellvertreter der Festnahme durch die Polizei entziehen wollten und sich in einem Haus verbarrikadierten. Augenzeugen zufolge ignorierten beide Aufforderungen, sich zu ergeben. Ein Sprecher der palästinensischen Sicherheitskräfte sagte, die Polizei habe vergeblich versucht, die Situation in Verhandlungen zu lösen. Dann sei es zum Kampf gekommen. Die Extremisten hätten Tausende Schüsse auf die Sicherheitskräfte abgefeuert. Nach dem Kampf waren die Wände und Möbel des Hauses mit Dutzenden Einschusslöchern übersät.

Der Vorfall war der folgenschwerste seit dem Hamas-Putsch im Gazastreifen vor rund eineinhalb Jahren. Er dürfte den Graben zwischen den Extremisten und der moderaten Fatah von Abbas vertiefen sowie die ägyptischen Vermittlungsversuche für eine Einheitsregierung belasten. Ein Sprecher der Islamisten warf der Polizei im Westjordanland vor, auf Seiten Israels zu stehen. Abbas sei direkt für "das Verbrechen und seine Konsequenzen" verantwortlich. Obama hatte bei einem Treffen mit Abbas in Washington in der vergangenen Woche die Sicherheit Israels als entscheidend für Fortschritte beim Friedensprozess bezeichnet. Die Hamas sieht sich in einem heiligen Krieg gegen Israel und spricht dem jüdischen Staat ein Existenzrecht ab.

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