Sechser-Gespräche ohne Durchbruch
Nordkorea droht mit Atomtest

Ohne Durchbruch sind die Sechser-Gespräche in Peking über eine Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms zu Ende gegangen. Nach teils heftigen Debatten konnten sich die Delegationen am Freitag lediglich auf eine Fortsetzung des Dialogs -möglicherweise innerhalb von zwei Monaten in Peking - einigen.

HB/rtr/dpa PEKING. Die dreitägigen Gespräche wurden durch Berichte überschattet, dass Nordkorea nach Angaben eines US-Regierungsbeamten gedroht habe, sich als Atomwaffenstaat zu erklären und einen Atomtest zu erwägen.

Die USA, Südkorea und Japan spielten die Drohung herunter, die Nordkorea offiziell auch nicht wiederholte. Ein japanischer Regierungsbeamter sagte laut der Nachrichtenagentur Kyodo, Nordkoreas Verhandlungsführer hätten zwar Äußerungen dieser Art gemacht, aber derart eindeutige Worte vermieden. Es sei „der übliche Bluff mit verschiedenen Worten und verbalen Zweideutigkeiten“. Russlands Delegationsleiter, Vizeaußenminister Alexander Losjukow, hielt es gar für „unwahrscheinlich, dass Nordkorea Atomwaffen besitzt“.

„Nach den Berichten, die wir von unserer Delegation bekamen, haben sie (die Nordkoreaner) gesagt, sie bereiteten die offizielle Deklaration als Atommacht vor und überlegten, einen Test durchzuführen“, zitierte der US-Nachrichtensender CNN einen US- Regierungsbeamten. Die Worte seien in einer erregten Phase gefallen, als Nordkorea den USA eine feindliche Politik geworfen habe. Auch habe Nordkorea gewarnt, dass es auch Trägersysteme für Atomwaffen habe. Washington frage sich, ob dies nur eine Drohung sei, um Konzessionen zu erpressen.

Zum Ende der Gespräche hatte sich die Atmosphäre nach russischen Angaben ernsthaft verschlechtert. Nordkorea, die USA, China, Südkorea, Japan und Russland konnten sich nicht mehr auf eine geplante Schlusserklärung oder den Termin für die neue Runde einigen, die „so schnell wie möglich“ folgen soll, wie Chinas Delegationschef Wang Yi sagte. Er wertete die erste Runde als nützlich. Sie habe eine „notwendige Grundlage für künftige Gespräche gelegt“.

Pjöngjang wiederholt Paket-Vorschlag

Chinas Vizeaußenminister räumte „eine ziemlich große Zahl von Meinungsgegensätzen“ ein, hob aber gemeinsame Punkte hervor. So wollten alle Beteiligten die Krise durch Dialog lösen. Alle seien sich einig, dass es keine Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel geben solle. Sie wollten auch Nordkoreas Sicherheitssorgen berücksichtigen. Während der Gespräche wollten die Beteiligten die Situation nicht durch Worte oder Taten anheizen.

Nordkorea wiederholte seinen Paket-Vorschlag zur Lösung der Krise vom April. Als Bedingungen nannte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA einen Nichtangriffspakt mit den USA, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, Garantien für Wirtschaftskooperation mit Japan und Südkorea sowie die Fertigstellung von zwei Leichtwasserreaktoren. Dafür wolle Nordkorea keine Atomwaffen herstellen, Inspektionen erlauben, seine Atomanlagen abbauen und den Export und Tests von Raketen einstellen, schrieb KCNA.

Die USA forderten aber ein überprüfbares Ende des nordkoreanischen Atomprogramms, bevor über Sicherheitsfragen und Wirtschaftshilfe gesprochen werden könne. Nordkorea hatte nach eigenen Angaben erwartet, dass ein Abkommen zumindest durch einen verbalen Austausch von Willensäußerungen zwischen den USA und Nordkorea zu Stande kommen würde, wie KCNA berichtete. Den USA warf Nordkorea vor, die Gespräche durch eine feindselige Politik gegenüber Pjöngjang zu untergraben.

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