Seehofer im Vatikan
Zwei Päpste an einem Tag

Wer bekommt eigentlich eine Audienz bei Papst Franziskus? Theoretisch jeder, aber nur in der Gruppe. Für die ganz privaten Treffen hinter verschlossenen Türen muss man wohl doch ein VIP sein. Oder CSU-Chef Seehofer.
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Rom06-6988 5863. Das ist die Faxnummer der Prefettura della Casa Pontificia in Rom. Hier kann man die kostenlosen Eintrittskarten für eine Papstaudienz beantragen. Wer Glück  hat und seine Karte für die wöchentlichen Audienzen – immer Mittwochs – zugeteilt bekommt, kann sie dann am Tag vor dem Datum abholen. Allerdings handelt es sich hier eher um Massenveranstaltungen. Man sieht Papst Franziskus zwar persönlich und wird gesegnet, aber viel Zeit bleibt nicht.

Anders sieht das bei den Promis aus. Für die nimmt sich der Papst auch gerne mal eine Stunde Zeit. Darüber entscheidet der Beraterstab und wohl auch der Papst selbst. Er hat schon Matteo Renzi als Regierungschef empfangen, den Sänger und Gründer einer Stiftung, Andrea Boccelli, und ganze Fußballvereine wie Juventus und Neapel.

Russel Crowe wurde abgelehnt

Manchmal bekommen auch VIPs eine Absage: Filmstar Russel Crowe etwa, der eine Audienz für seine Delegation des Films „Naohs“ haben wollte, musste ohne privaten Papstempfang wieder abreisen. Der Papst wollte sich wohl nicht als Werbeträger für den Hollywood-Film ausnutzen lassen.

Offizielle Kriterien für die Auswahl gibt es keine. Kleidervorschriften eigentlich schon: Frauen in schwarz gekleidet mit einem Tuch auf dem Kopf, das bis zur Schulter reicht. Die Herren im Frack mit weißer Krawatte und schwarzer Weste. Aber Franziskus wirft bekanntlich auch gerne mal das Protokoll um. Zuletzt hieß es aus seinem Umfeld, der kommunikationsfrohe Papst sei müde und solle auch die Privataudienzen lieber etwas einschränken.

Was Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer für die Audienz prädestiniert, ist unklar. Schließlich steht der CSU-Chef mit seinem Privatleben – eine uneheliche Tochter – eher für jenes Katholikentum, das Franziskus verurteilt: Das Gute predigen, aber das Schlechte leben. Vielleicht will der Argentinier aber auch einfach seinem bayerischen Vorgänger Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, einen Gefallen tun und dessen Landsmann nicht abweisen.

Und so kam es am Montag: Franziskus empfing Seehofer zur Privataudienz im Vatikan. Dabei nahm eine kleine Delegation aus dem Freistaat teil, darunter auch drei Minister. Der CSU-Chef überreichte Franziskus einen großen Präsentkorb mit bayerischen Spezialitäten, darunter Bier, Brezn, Griebenschmalz, Würzburger Silvaner, Senf und Obstler. „Eine gewisse Anspannung ist schon da“, hatte Seehofer vor dem Treffen mit dem katholischen Kirchoberhaupt eingeräumt. Anschließend wollte er dann den Bayern Ratzinger treffen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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