Selbst im eigenen Lager wird Ton gelegentlich rauer
Bush will Amerikaner mit PR-Kampagne auf Kurs bringen

Wenige Tage, bevor der Kongress über das 87 Mrd. $ umfassende Hilfspaket für den Irak abstimmen wird, macht sich US-Präsident George W. Bush zum Chefverkäufer seiner eigenen Politik. Mit Hilfe einer Vielzahl von Reden will er skeptische US-Bürger in den nächsten Woche auf Kurs bringen. Der Tenor: Die Situation am Golf ist besser als die Stimmung. Handel, Warenangebot sowie die Versorgung mit Strom und Wasser hätten sich über weite Strecken positiv entwickelt.

WASHINGTON. Die neue Public-Relations-Offensive kommt nicht von ungefähr. Denn die US-Administration gerät wegen der Lage im Irak zunehmend unter innenpolitischen Druck. „Der Kongress macht dem Weißen Haus die Hölle heiß“, räumte ein Regierungsbeamter im Gespräch mit dem Handelsblatt ein. „Selbst die republikanischen Abgeordneten sagen: Entweder ihr geht radikal in die Offensive oder wir bekommen Prügel von unserer Wählerklientel.“

Immer mehr Amerikaner ärgern sich über die nicht abreißenden Guerilla-Attacken im Irak. Die vorerst unbefristete Stationierung von rund 130 000 Mann am Golf sowie die wachsenden Kosten tragen zusätzlich zur Nervosität bei – zumal in der Heimat das Geld hinten und vorne fehlt.

Bush hat die Botschaft verstanden. Und deshalb haben seine Berater ein einfaches Rezept aus ihrer Strategiekiste hervorgeholt: Sie wollen ihren innenpolitisch in die Defensive geratener Chef durch die Reaktivierung der eigenen Stärke wieder in Szene setzen. Nach einer Umfrage in der „New York Times“ genießt Bushs Außenpolitik zwar nur noch die Zustimmung von 44 % der Amerikaner – bei der Wirtschaftspolitik sind es gar nur 37 %. Dennoch loben aber rund 60 % der US-Bürger die Führungsfähigkeit ihres Oberhaupts. Die gleiche Zahl gibt Bush bei der Kampagne gegen den Terrorismus gute Noten. Und mehr als die Hälfte der Befragten ist von seiner Ehrlichkeit und Geradlinigkeit überzeugt.

Mit diesem „Bush-Faktor“ ist das Weiße Haus bereits bei den Kongresswahlen im vergangenen November gut gefahren. Chef-Denker Karl Rove hatte den Urnengang als Volksabstimmung für Bush dargestellt: Die unangefochtene Position des Anti-Terror-Präsidenten bescherte den Republikanern in beiden Häusern des Kongresses eine dicke Mehrheit.

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