Seperatisten machen mobil
Ukrainische Rebellen starten Offensive

Die Kämpfe in der Ostukraine werden erneut angeheizt: Der Separatistenführer in Donezk kündigt eine „Generalmobilmachung“ von bis zu 100.000 Kämpfern an. Die Diskussionen über Waffenlieferungen aus den USA gehen weiter.
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DonezkNach den gescheiterten Friedensgesprächen im Ukraine-Konflikt haben die Separatisten im Osten des Landes neue Angriffe gestartet und eine Massen-Mobilmachung angekündigt. Ziel sei eine Streitmacht von 100.000 Mann, sagte ein Separatistenführer am Montag.

Die Regierung in Kiew sprach von mehr als 100 Angriffen auf Stellungen ihrer Truppen und Wohngebiete in 24 Stunden, wobei fünf Soldaten und mindestens ein Zivilist getötet worden seien. Der Druck der Separatisten führt einer Zeitung zufolge in den USA nun zu Überlegungen für Waffenlieferungen an die Ukraine. Die US-Regierung erklärte, es sei dazu keine Entscheidung getroffen worden.

Der russischen Nachrichtenagentur RIA zufolge kündigte der Führer der selbsternannten "Volksrepublik Donezk", Alexander Sachartschenko, eine Generalmobilmachung innerhalb von zehn Tagen an. "Zehntausende Männer werden einberufen", sagte er. Die gemeinsame Armee der Donezker sowie der Luhansker Volksrepublik werde dann 100.000 Mann umfassen. Er ließ offen, wie stark die Truppe jetzt sei. Auch die Ukraine hatte angekündigt, in einer vierten Welle weitere 50.000 Soldaten zu mobilisieren.

Westliche Regierungen werfen Russland vor, die Separatisten zu unterstützen. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko spricht von 9000 russischen Soldaten im Osten des Landes. Russland weist dies zurück. Wegen der Krise hatte die Europäische Union jüngst ihre Sanktionen gegen Russland verlängert.

Am Wochenende waren neue Gespräche über einen Waffenstillstand zwischen Separatisten-Führern, Russland und der Ukraine in der weißrussischen Hauptstadt Minsk gescheitert. Vor allem ist die Waffenstillstandslinie umstritten. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte, eine Feuerpause müsse vorrangiges Ziel sein. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin forderte eine Ende der Kämpfe.

Angesichts der gescheiterten Friedensversuche wächst der "New York Times" zufolge in den USA die Bereitschaft, die Regierung in Kiew auch mit Waffen zu stützen. US-Außenminister John Kerry und US-Generalstabschef Martin Dempsey seien zu solchen Überlegungen bereit, berichtet das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Ein Insider erklärte dazu, entsprechende Schritte würden wieder geprüft. "Was dabei herauskommt, wissen wir nicht." Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums sagte, man halte sich weiter alle Optionen offen. Außenminister Kerry wird am Donnerstag in Kiew zu Gesprächen mit Poroschenko erwartet. Vor dem Treffen werde vermutlich keine Entscheidung fallen, hieß es in hochrangigen US-Regierungskreisen.

Merkel lehnte deutsche Waffenlieferungen ab. "Deutschland wird die Ukraine nicht mit Waffen unterstützen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Konflikt militärisch nicht gelöst werden kann", sagte Merkel am Rande ihres Ungarn-Besuchs.

Im Visier ihrer Offensive haben die Separatisten offenbar den Ort Debalzewe genommen. Der Verkehrsknotenpunkt verbindet die Separatistenhochburgen Donezk und Luhansk. Eine Salve von mindestens drei Dutzend Raketen aus dem Separatistengebiet schlug in der Nähe des Ortes ein. 15 Minuten später wurde das Feuer von ukrainischem Militär erwidert. Ein Sprecher erklärte, man sei in der Region stark genug, um die Angriffe abzuwehren. Der Ukraine zufolge starben am Wochenende bereits mehrere Soldaten sowie etwa 15 Zivilisten.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Die Volkswehr will 100.000 Terroristen in Neurussland mobil machen
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    Das hat der selbsternannte Kalif von Donezk bekannt gegeben.
    Er will Mariupol im Sturm erobern und die "Faschisten" aus Neurussland verjagen.
    Er kann mit aktiver Unterstützung von Warlord Putin rechnen.

  • Die Eurokraten in Brüssel und unsere Kanzlerin sollen keine Politik Amerikas betreiben, es sei denn die EU muss den Vorgaben aus Washington folge leisten.
    Europa ist nicht nur die jetzige EU, auch Russland ist ein Teil von Europa, sollte dringend in die Köpfe unser Politiker. Wir wollen keinen Krieg mit Russland, auch keinen kalten Krieg der Europa in die Zeit des vergangnen Jahrhunderts erinnert.
    Planen die USA und die Nato etwa einen Krieg mit Russland? Alle Zeichen sind durch die Osterweiterung der Nato in die ehemaligen Warschauerpakt-Staaten und den von den USA angezettelten Konflikt in der Ukraine gegeben. Der heutige Terror in den Ländern Irak, Syrien, Lybien und vielen anderen ist auch der USA anzuhängen, es ist eine Hinterlassenschaft der Politik aus Washington. Russland wurde bei der Deutschen-Wiedervereinigung versprochen, dass es keine Erweiterung der NATO in die ehemaligen Ostblockstaaten geben wird, dieses versprechen hat der Westen gebrochen, was jetzt Russland nicht hinnehmen kann, dass sich die NATO auch die Ukraine einkassiert.
    Russland hat seine Truppen nach der Wiedervereinigung aus Ostdeutschland und den Warschauerpakt-Staaten abzogen, im Westen sind die Ami geblieben und spielen sich nun auf als wären sie die Hausherren in Europa. Frieden in Europa bekommen wir nur mit Russland nicht mit den USA.
    Lesen Sie das Buch F. William Engdahl „ Krieg in der Ukraine, wie Amerikas Hardliner den Ukraine-Krieg anheizen“

  • @elly müller
    “Unglaublich! …. Können die nicht endlich friedlich miteinander reden???? “

    Das ist überhaupt nicht unglaublich! Wer die Schweinepolitik des Westens seit Jahren verfolgt wusste was dabei heraus kommen musste. Ganz am Anfang erklärte eine vom Westen finanzierte Putschregierung einen ganzen ukrainischen Landstrich zu Terroristengebiet, dass zur ultimativen Vernichtung oder Säuberung freigegeben wurde und die Sprache der dort lebenden Menschen sollte ebenso verboten werden. Es gab nachweislich vom rechten Nazisektor ausgeführte und von ukrainischen Oligarchen finanzierte Massaker an den dort lebenden Menschen und der moralinsaure und Demokratie heuchelnde Westen schwieg nicht nur, er unterstützte massiv die schuldigen Oligarchen- und Nazischweine.

    Allein dafür gehörten alle Westregierungen nach Den Haag und jeder einzelne Staatsführer mindestens zwanzig Jahre in den Knast. Es ist unglaublich, dass das nicht passiert!

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