Serie zum Georgien-Konflikt: Teil 4
Die Faschisten auf der anderen Seite

Die Wahrheit ist einfach aus Sicht vieler Osseten: Georgien ein böses Imperium, mit einem verrückten Präsidenten namens Saakaschwili. Doch der Wirbel um das kleine Land lässt die Menschen kalt, sie treibt andere Fragen um: Wo kann man Fleisch kaufen?

ZCHINWALI. Laura Tunewa stellt die dampfenden Kartoffeln auf den kleinen Tisch zu Käse, Brot und Tomaten. Die Kerzen flackern auf, der Strom ist in Zchinwali wieder einmal ausgefallen. Die Versorgung in der Hauptstadt Südossetiens, die mit ihren typischen von Weinreben umgebenen zweistöckigen Häusern einen fast dörflichen Charakter hat, ist vor allem Dank russischer Hilfe wieder angelaufen. Üppig ist das Menu aber nicht. Doch der Krieg ist vorbei und Lauras Sohn Alan, der gekämpft hat, sitzt am Tisch und haut kräftig rein. Laura und ihre Familie haben Glück gehabt - und niemanden verloren. Nur um wenige Meter hat ein georgisches Geschoss ihr Haus verfehlt - und ist bei den Nachbarn herein gekracht. Ein Teil des Hauses liegt in Trümmern. Bei Laura flogen "nur" die Fenster raus und ein paar Türen. Ärgerlich zwar, aber es gibt Schlimmeres.

Die Tage unter dem zum Teil völlig willkürlichen georgischen Beschuss stecken ihnen noch in den Knochen. Vor dem Krieg hatten sie angefangen, ihr Haus zu renovieren. Die Materialien haben sie aus Wladikawkas - der Hauptstadt des russischen Nordossetien geholt - die Arbeit haben aber Georgier gemacht, Gastarbeiter. Nun sind sie weg, wie die meisten. Geflohen aus Angst vor Vergeltung.

Auch die Wurzeln ihres Mannes sind georgisch. Vor dem Abendessen haben sie endlich einen Anruf bekommen aus Gori, das auf der anderen Seite der Grenze liegt. Das Gespräch was kurz: Wie geht?s? Das Haus steht, alle gesund. Wie ein Telegramm. Es gibt zwar viel zu sagen, doch besser, man fasst sich kurz. Wer weiß, wer alles mithört.

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