Sicherheitskonferenz
„Man braucht zwei Tänzer für einen Tango“

Interview mit dem britschen Außenminister David Milliband über die Probleme des Westesn mit Iran, Afghanistan, Pakistan und die neuen Impulse der Obama-Regierung.

Handelsblatt: Herr Außenminister, der iranische Parlamentspräsident Laridschani hat auf der Sicherheitskonferenz davon gesprochen, dass die USA neue Brücken zum Iran bauen könne. Ist das ein Hinweis auf größere Kompromissbereitschaft in Teheran?

David Milliband: Wir sollten uns nicht zu stark auf alle möglichen Andeutungen konzentrieren. Erst wird letzten Donnerstag ein iranischer Satellit gestartet, dann am Freitag über Brücken gesprochen. Es gibt aber sehr klare Aktionen, mit denen Iran zeigen kann, dass er seinen internationalen Verpflichtungen im Zusammenhang mit seinem Atomprogramm nachkommt. Wo ist die iranische Zusage zu dem mit der Internationalen Atomenergiebehörde vereinbarten Inspektions-Protokoll? Wo ist das iranische Interesse an dem europäischen Vorschlag, die Sanktionen einzufrieren, wenn Iran die Urananreicherung zumindest vorübergehend stoppt?

Was passiert, wenn diese Signale nicht kommen?

Iran ist ein gebildetes, kultiviertes Volk, das Teil des internationalen Systems sein sollte. Es kann viel gewinnen, wenn es dies tut. Es kann viel verlieren, falls es die internationalen Normen missachtet. Wir müssen uns wirklich nicht vorwerfen lassen, Iran nicht die ausgestreckte Hand gezeigt zu haben. Aber wir müssen auch den Nichtverbreitungsvertrag für atomare Waffentechnologie verteidigen. Der Iran muss entscheiden, welche Zukunft er wählt.

Die neue US-Regierung hat ihre Bereitschaft zu einem direkten Dialog betont. Wie kann Europa das unterstützen?

Wir können den doppelten Ansatz unserer Strategie sehr deutlich machen. Das amerikanische Gesprächsangebot wirkt umso stärker, je deutlicher wir Europäer klarmachen, dass eine iranische Zurückweisung Sanktionen nach sich ziehen wird. Schon die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice hat mit ihrem Gesprächsangebot eine sehr große Brücke gebaut.

Gibt es eine Frist für den Iran?

Es gibt immer nur ein erstes Jahr einer neuen Regierung – auch für Barack Obama. Eine Regierung kann nur einmal ein erstes Gesprächsangebot machen. Deshalb wird 2009 sehr wichtig für das Iran-Thema.

Denken Sie dabei eher in Wochen oder Monaten?

Je schneller der Iran auf das Angebot eingeht, desto besser. Eine Strategie der Verzögerung würde ich Iran nicht empfehlen.

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