Sierens Welt
Rechtsweltlichkeit

Obama Putin und Xi haben jeweils gute Reden vor der Uno gehalten. Aber: Nur wenn man sie zusammenfügt, wird die neue Weltordnung sichtbar, meint unser Kolumnist und China-Experte.

PekingHaben Sie am Wochenende noch nichts vor? Dann hätte ich einen Vorschlag. Lesen Sie bei einer guten Flasche Wein die UN-Reden von US-Präsident Barack Obama, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping von dieser Woche. Drei Mal großes politisches Kino.

Vergessen Sie für einen Augenblicke Ihre Leidenschaften oder Ressentiments für den einen oder gegen den anderen. Vergessen sie, was die Drei auf dem Kerbholz haben. Ärgern Sie sich nicht über deren taktischen Finten und Seitenhiebe, ohne die es in der Politik nie geht. Überlesen Sie die Rückversicherungen an die eigene Klientel und überfliegen Sie das Kleingedruckte. Suchen Sie vielmehr nach den jeweiligen Weltentwürfen der Herren.

Jeder macht sich natürlich die Welt, die ihm passt. Klar wollen alle mehr Frieden und die Umwelt schonen. Und so stark oder unverschämt sie auch im Einzelnen sein mögen. Alle müssen zusammenarbeiten. Die USA seien bereit „mit jeder Nation zusammenzuarbeiten, einschließlich Russland und Iran“, um die Probleme der Welt zu lösen, betont selbst der stärkste unter ihnen, Barack Obama.

Doch jeder der Drei setzt andere Schwerpunkte für die zukünftige Weltordnung. Obama betont in seiner Rede, dass die Weltgemeinschaft sich für die Demokratie in möglichst vielen Ländern einsetzen muss und „Gesellschaften helfen muss, sie zu erreichen.“ Einmischung ist ihm wichtig. Er räumt zwar ein, dass es in der Welt unterschiedliche Vorstellungen von Demokratie gäbe.

Allerdings seien einige ihrer Eigenheiten für ihn nicht verhandelbar: Jeder soll seine Religion friedlich ausüben dürfen, jeder soll in gleicher Würde leben, jeder soll die Mächtigen friedlich kritisieren dürfen, ohne deren Willkür ausgesetzt zu sein. Und Amerika ist für Obama der geglückte Modellversuch: „Es ist die Demokratie, die uns zur mächtigsten Nation der Welt hat werden lassen.“ Obama ist davon überzeugt, je mehr Demokratien es auf der Welt gibt, desto stabiler und friedlicher ist die Welt. Damit liegt er richtig.   

Chinas Präsident Xi Jinping hat selbstverständlich einen anderen Blickwinkel. Er wirbt überzeugend für internationale Gemeinschaften aus „Win-Win-Beziehungen“. Alle Länder sind gleich, ruft er der Welt zu: „Die Großen, Starken und Reichen sollten die Kleinen, Armen und Schwachen nicht schikanieren.“

Jedes Land solle seinen Entwicklungsweg selbst entscheiden. Wer versucht, in anderen Ländern Gutes mit Gewalt durchzusetzen und sei es in der besten Absicht, „dem fällt der Stein auf die Füße, den er zuvor aufgehoben hat.“ Gegenseitiger Respekt der Nationen, die voneinander lernen, das ist das Credo von Xi. Und man kann ihm in dieser Hinsicht nicht widersprechen.   

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