Silvio Berlusconi
Das Comeback des Sonnenkönigs

Nach der Rücktritts-Ankündigung von Ministerpräsident Monti bringt sich Ex-Premier Berlusconi wieder ins Spiel - und verschreckt die Märkte. Steht Italien vor einer weiteren Berlusconi-Regierung?
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Mailand„Der Sonnenkönig hat mich verlassen“, mit diesen Worten kommentierte der italienische Premier Mario Monti in der Pause der Premiere in der Mailänder Skala am Freitag die Kehrtwende von Silvio Berlusconi. Einen Tag später kündigte er offiziell seinen Rücktritt zum Jahresende an.

Im Ausland kann man es kaum glauben: Der 76-jährige Silvio Berlusconi kehrt aktiv in die Politik zurück und Mario Monti tritt vorzeitig von seinem Amt als Regierungschef zurück. Grund ist, dass Berlusconis Partei PDL dem Premier nur noch seinen Haushalt absegnen und danach in die Opposition gehen will.

Innerhalb von wenigen Tagen hat sich die Lage so sehr zugespitzt, dass vorgezogene Wahlen nun unausweichlich erscheinen. Mario Monti hat am Samstag Abend dem Präsidenten der Republik Giorgio Napolitano offiziell seine Rücktrittsabsichten erklärt, sobald der Haushalt vor Weihnachten verabschiedet ist.

Die Märkte werden heute dementsprechend reagieren. Die Spreads – also die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen gegenüber deutschen - werden heute erneut nach oben schießen. Und das, nachdem sie erst vor einer Woche zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder unter die wichtige 300-Punkte-Schwelle gesunken waren. Es war ein Zeichen dass die Investoren wieder Vertrauen gefasst hatten in das Mittelmeerland. Auch die Unternehmen, die in den vergangenen Monaten im Vergleich zu ihren deutschen Konkurrenten rund fünf Prozent mehr hinlegen mussten, wenn sie sich Kapital besorgen wollten, hatten wieder aufgeatmet und auf bessere Zeiten gehofft. Das ist nun erst einmal vorbei. Auch die Aktienmärkte dürften dementsprechend nach unten gehen.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen mahnten am Sonntag, das hoch verschuldete Land dürfe nicht von seinen Reformen abrücken. Barosso sagte in der Zeitung "Il Sole 24 Ore", Italien müsse an seinen Reformen festhalten. "Die kommenden Wahlen dürfen nicht als Vorwand dienen, um die Unerlässlichkeit dieser Maßnahmen infrage zu stellen." Asmussen zeigte sich über die Rückzugsankündigung Montis enttäuscht. Dessen Regierung habe "in kurzer Zeit Großes geleistet: das Vertrauen der Anleger zurückgewonnen, die Haushaltskonsolidierung vorangebracht. Wer immer Italien, ein Gründungsland der EU, nach den Wahlen regiert, wird diesen Kurs mit derselben Ernsthaftigkeit fortsetzen müssen", sagte er der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe).

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigt sich beunruhigt über die Lage im Euro-Land Italien. "Italien darf jetzt auf zwei Drittel des Reformprozesses nicht stehen bleiben", sagte Westerwelle Spiegel Online. "Das würde nicht nur Italien, sondern auch Europa neue Turbulenzen bringen."

Der Chef des Euro-Rettungsfonds ESM, Klaus Regling, hat eine Fortsetzung der wirtschaftspolitischen Reformen in Italien gefordert. "Italien hat im vergangenen Jahr wichtige Reformen angeschoben. Das haben die Märkte bislang honoriert", sagte Regling der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). Für Italien wie für die gesamte Währungsunion sei es wichtig, dass der Reformprozess fortgesetzt werde. Noch vor ein paar Monaten sei die Mehrheit der großen Kapitalanleger überzeugt gewesen, dass der Euro nicht überleben werde, sagte Regling. Inzwischen habe sich die Stimmung völlig gedreht. "Das muss nicht so bleiben, aber die Investoren haben sehr wohl registriert, dass einige große Hedgefonds sich mit ihren Wetten auf ein Scheitern der Währungsunion heftig verspekuliert und viele Milliarden Euro verloren haben", sagte Regling.

Die Rating-Agentur Standard & Poor`s hat bereits am Freitag, also noch vor der Entscheidung Montis, gewarnt, dass sie ihr Urteil zu Italien nach unten revidieren könnte, sollte sich die Krise verschärfen.

Kommentare zu " Silvio Berlusconi: Das Comeback des Sonnenkönigs"

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  • Seit dem ich weis, das Ihr Chefkorrespondent Herr Robert Landgraf bei der 20+ Group Erklärung unterschrieben hat und den Ober Verbrecher Ddavid de Rothschild zum besten Banker 2011 gratuliert hat, kann ich Ihre Löschaktionen verstehen.

    Quelle:
    http://alles-schallundrauch.blogspot.ch/2012/12/der-globale-staatsstreich-von-goldman.html

    das Internet vergisst nichts!!

  • Italien ist nicht Griechenland!
    Berlusconi möchte nur unter den Mantel der Immunität schlüpfen, um weiteren Gerichtsverfahren zu entgehen.
    Der Mann ist skrupelos. Wenn deswegen, der Reformprozeß gestoppt wird. Was soll es. So denkt der Egomane, Cavaliere Silvio.

  • Sonnenkönig - Ludwig XIV. gilt als klassischer Vertreter des höfischen Absolutismus. Der Leitsatz des Absolutismus, L'Etat, c’est moi! – Der Staat bin ich!, wird ihm jedoch fälschlicherweise zugeschrieben.Er festigte die Macht der Krone durch den Ausbau der Verwaltung, durch die Bekämpfung der Opposition des Adels und durch die Förderung der französischen Wirtschaft. Die Hofkultur wurde ganz auf die Person des Herrschers zugeschnitten. Zum Symbol für dessen herausragende Stellung wurde sein prunkvolles Auftreten. Der König förderte Künste und Wissenschaften, was eine Blütezeit der französischen Kultur zur Folge hatte. Ludwig XIV. vertrat eine expansive und kriegerische Außenpolitik, so dass Frankreich unter seiner Regierung eine stark dominierende Stellung in Europa gewann.

    Ähnlichkeiten sehe ich eher bei Merkel.

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