Simbabwe
„Die können zur Hölle fahren!“

Neue Gewalt in Simbabwe - diesmal gegen weiße Farmer. Schlägertrupps sollen ein weißes Farmer-Ehepaar während seiner neunstündigen Misshandlung zu einer Erklärung gezwungen haben, dass sie eine Klage gegen die Zwangsenteignung ihres Hofes zurückziehen. Und auf dem Afrika-Gipfel ließ Präsident Mugabe eine deutliche Botschaft an die westlichen Staaten verbreiten.

HB SCHARM EL-SCHEICH/HARARE. In Simbabwe nimmt der Druck auf die noch im Lande verbliebenen weißen Farmer zu. Die Selbsthilfegruppe Justice for Agriculture (JAG) berichtete am Dienstag über zunehmende Gewalt gegen Weiße, die sich einer Klage vor einem Gericht des regionalen Staatenbunds SADC gegen ihre Enteignung angeschlossen hätten. Zu den jüngsten Opfern gehört ein Farmer-Ehepaar, das neun Stunden misshandelt und zu einer Erklärung gezwungen wurde, seine Klage zurückzuziehen.

In einem Gespräch mit ihrem Anwalt berichtete Farmersfrau Angela Campbell (66), ihr Mann sei von einem Uniformierten unter Todesdrohung aufgefordert worden, ein entsprechendes Schreiben aufzusetzen. Da ihrem Gatten die Finger gebrochen worden seien, habe sie die Erklärung geschrieben. Zuvor sei sie selbst stundenlang misshandelt worden. Die Milizen hätten sie permanent geschlagen, auf sie uriniert und ihr einen brennenden Stock in den Mund gesteckt.

Campbells Anwalt zeigte sich überzeugt, dass das SADC-Gericht die erzwungene Rücknahme der Klage nicht akzeptiert, die sie vor Zwangsenteignungen schützen soll. Insgesamt 76 andere Farmer hatten sich der Klage angeschlossen. Sie soll vom 16. Juli an in Namibias Hauptstadt Windhuk verhandelt werden. Für die Prozessdauer hatte das Gericht eine Aussetzung aller Vertreibungen angeordnet. In Simbabwe sind nach Vertreibungen im Rahmen einer chaotischen Landreform von mehr als 4500 weißen Farmer schätzungsweise noch 350 tätig.

Der südafrikanische Fernsehsender SABC hatte am Vorabend Bilder Campbells sowie seines Schwiegersohns gezeigt, die wegen der Schwere ihrer Verletzungen in Harare im Krankenhaus behandelt werden. Dabei sollen vor allem Farmen im Südwesten der Provinz Mashonaland attackiert worden sein. Das Fernsehen zeigte den Schwiegersohn, dessen Gesicht unter einem Kopfverband durch Wunden und blaue Flecke entstellt war.

Simbabwes Präsident Mugabe hatte zuvor mit seiner umstrittenen Wiederwahl für weltweite Empörung gesorgt. Mugabe war am Sonntag für weitere fünf Jahre vereidigt worden, nachdem er zwei Tage zuvor als einziger Kandidat zur Stichwahl um das Präsidentenamt angetreten war und nach offiziellen Angaben mehr als 85 Prozent der Stimmen bekommen hatte. Die US-Regierung und die europäischen Staaten sprechen dem 84-Jährigen vor diesem Hintergrund jede Legitimität als Staatsoberhaupt ab und verweisen darauf, dass sich Oppositionschef Morgan Tsvangirai aus Protest gegen die Verfolgung seiner Anhänger aus dem Rennen zurückgezogen hatte. Im ersten Wahlgang im März waren auf Tsvangirai noch deutlich mehr Stimmen entfallen als auf Mugabe. Damals hatte die Auszählung der Stimmen fünf Wochen gedauert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Mugabe "jede Legitimität" ab. Die Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union (AU) hielten sich dagegen auf ihrem Gipfel im ägyptischen Scharm el Scheich mit Kritik an Mugabe zurück. Die große Mehrzahl der Regierungschefs beließ es nach der Wahlfarce bei freundlichen Appellen.

Mugabe verbrachte den ersten Tag des Gipfels in Scharm al-Scheich in seinem breiten Ledersessel im Sitzungssaal voller Genugtuung. Er erteilte Forderungen Kenias - einem der wenigen scharfen Kritiker - nach einer Einheitsregierung nach kenianischem Vorbild eine klare Abfuhr. "Kenia ist Kenia. Simbabwe ist Simbabwe", sagte ein Sprecher Mugabes am Rande des Gipfeltreffens und verbat sich jede Einmischung von außen.

"Wir haben unsere eigene Geschichte für den Aufbau eines Dialogs und werden den simbabwischen Weg einschlagen, um aus der politischen Sackgasse zu gelangen", sagte Mugabes Sprecher George Charamba weiter. An die westlichen Staaten gerichtet, fügte er an: "Die können zur Hölle fahren!" Der Westen habe kein Recht, sich in die simbabwische Politik einzumischen und einen Rücktritt Mugabes zu fordern, da der Präsident von den Wählern gerade erst ein klares Mandat erhalten habe.

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