Simbabwe
Wo selbst der Tod zu teuer ist

Die meisten der Todesfälle sind eine direkte Folge der verheerenden Politik Mugabes, der das einstige Musterland ruiniert hat. Drei von vier Simbabwern leben heute in bitterer Armut, 80 Prozent haben keine Arbeit, die Lebenserwartung ist seit 1990 von 62 Jahren auf 37 für Männer und 34 für Frauen gefallen. Und seit der Präsident im Zuge seiner Landreform die 4 500 weißen Großfarmer gewaltsam enteignen und vertreiben ließ, liegen Felder brach, Farmen sind geplündert und verfallen, in den Silos ist kaum ein Körnchen Mais. In der einstigen Kornkammer des Kontinents, wird heute vielerorts gehungert.

Auch die Industrie ist seit 1997 um mehr als ein Drittel geschrumpft. „Das Sozialprodukt des Landes und seine Ausfuhren – allen voran des früher einmal weltweit begehrten Tabaks – sind sogar um mehr als 40 Prozent gefallen“, schätzt der Ökonom John Robertson. Im Industrieviertel von Bulawayo stehen viele Fabrikgebäude leer, und die paar Betriebe, die noch etwas herstellen, sind ziemlich heruntergekommen. Die meisten Unternehmen hätten die Produktion drosseln müssen, weil die Simbabwer kein Geld mehr haben, um sich etwas zu kaufen, sagt David Spooners, der drei Firmen besitzt. Viele Fabriken produzierten nur noch drei Tage die Woche oder hätten Konkurs angemeldet, andere seien unter dubiosen Umständen von regierungsnahen Geschäftsleuten übernommen worden.

Aus dem Ausland ist auch keine Hilfe zu erwarten, das Land leidet unter chronischem Devisenmangel. Und die einheimische Währung ist längst wertlos geworden, im Februar schnellte die Inflation auf über 1 700 Prozent hoch. Die Zentralbank kommt mit dem Drucken der Scheine, die immer mehr Nullen tragen, kaum nach. Wer heute in Bulawayo bauen möchte, muss deshalb tief in die Tasche greifen: Ein einzelner Backstein kostet so viel wie vor 17 Jahren ein ganzes Haus.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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