Small Talk
Management by Detail

Trump, Macron, Helene Fischer: Manchmal machen scheinbare Nebensächlichkeiten den entscheidenden Unterschied. An dieser Stelle sammeln wir regelmäßig die besten – Small-Talk-Munition fürs Wochenende!
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Wie geht man mit jemandem wie Trump um? Merkel distanziert sich, Macron dagegen packt zu. Im wortwörtlichen Sinne. Beim Handschlag in Brüssel greift er die Hand des US-Präsidenten so fest, dass seine Knöchel weiß hervortreten – und lässt auch dann nicht los, als Trump seine Hand erschrocken zurückziehen will. Was sagt uns dieses Detail? Ist es besser, den Präsidenten aus der Gemeinschaft der Politiker auszuschließen (Merkel) oder sich auf sein Niveau zu begeben und mit ihm in den Ring zu steigen (Macron)? Die Franzosen auf jeden Fall feiern Macron. Aber das hat wohl ebenfalls damit zu tun, dass der kennedyeske Präsident in seiner jungen politischen Karriere auch sonst das ein oder andere richtig macht.

Um das große Ganze beurteilen zu können, ist manchmal der Blick auf scheinbare Nebensächlichkeiten ganz hilfreich – Details können den entscheidenden Unterschied machen. Warum verlor Torsten Albig die Wahl in Schleswig-Holstein? In einem Interview kurz vor der Wahl hatte er gesagt, er habe sich von seiner Frau getrennt, weil er sich mit ihr nicht mehr „auf Augenhöhe“ habe unterhalten können: Nach vielen Jahren Hausarbeit sei sie dazu nicht mehr in der Lage. Die Wähler straften Albig ab, als Luxus-Arbeitsloser muss er jetzt aufpassen, dass seine neue Freundin ihm nicht bald den Laufpass gibt – weil er ihr keine Augenhöhe mehr bieten kann.

Wunderbar und in allen Details sehr lehrreich auch das Interview, dass Alibaba-Europachef Terry von Bibra den Kollegen des „Spiegels“ gab. Als es um den Singles-Day geht, einen Shopping-Tag, den der Konzern ins Leben gerufen hat und an dem er zuletzt 18 Milliarden Dollar umsetzte, antwortet von Bibra: „Wir sehen das nicht als Manipulation des Konsumenten, sondern wir befriedigen eine Nachfrage ...“ – „... die Sie erst geschaffen haben“ – „Nachfrage entsteht durch Wünsche und Bedürfnisse von Menschen. Unsere Aufgabe ist es, auf diese bestmöglich einzugehen. Das ist das Grundprinzip von Handel.“ So einfach kann die Welt sein, wenn man die richtigen Worte findet.

Helene Fischer, die bei vielen beliebte und von ebenso vielen zum Feindbild erklärte Sängerin, ist beim DFB-Pokalfinale gnadenlos ausgepfiffen worden – was besonders schmerzhaft gewesen sein muss, weil gerade Fußballfans bisher zu ihrer Kernzielgruppe zählten. Ganz Profi, ließ sie sich davon nicht abhalten, zu jubeln. Ihre Pose zeigt öffentlich ihren überragend definierten Musculus latissimus dorsi, auch großer Rückenmuskel genannt, der ansonsten vor allem Schwimmerinnen zur schrankähnlichen Silhouette verhilft. Dieses Detail offenbart, wie sehr sie sich für die Karriere schindet und wie viel Arbeit hinter ihrer perfekten Oberfläche steckt. Nicht zuletzt deshalb, diese Voraussage sei hier gestattet, wird sich schon bald die Meinung der ironiefixierten Kultur-Avantgarde pro Fischer drehen.

Zum Schluss noch einmal Trump. Unser US-Präsident erfand mitten in der Nacht eine neues Wort: „Despite the constant negative press covfefe“, twitterte er. Während seine 32 Millionen Follower noch rätselten, ob er über der Tastatur eingeschlafen sei, twitterte Trump am nächsten Morgen hinterher: „Wer kann die wahre Bedeutung von covfefe herausfinden??? Viel Spaß!“ Ein US-Präsident verwickelt die Welt in Ratespielchen – kein Wunder, dass Kanzlerin Merkel den USA ungewohnt offen die Vertrauenswürdigkeit absprach. Wie sie das formulierte, ist auch so ein Detail. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein sonniges Wochenende!

Dieser Artikel ist exklusiv in der Smartphone-App Handelsblatt 10 erschienen, die jeden Tag mit 10 Autorenstücken die wichtigsten Themen des Tages zusammenfasst. An jedem Freitag präsentieren wir Ihnen die Höhepunkte die Kolumne „Small Talk“. Was Handelsblatt 10 sonst noch alles zu bieten hat, erfahren Sie hier.

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