Sorgen nach „Turkmenbaschis“ Tod
„Gas wird zentrale Rolle spielen“

Der überraschende Tod des turkmenischen Diktators Saparmurad Nijasow hat die Sorge vor blutigen Nachfolgekämpfen ausgelöst. Unruhen in der zentralasiatischen Republik könnten immerhin auch die Sicherheit der europäischen Gasversorgung beeinflussen.

HB MOSKAU. Ein Machtkampf um die Nachfolge des selbst ernannten „Turkmenbaschi“ oder „Vaters aller Turkmenen“ könnte mittelfristig eine neue Gaskrise auslösen. Das zentralasiatische Land sitzt auf riesigen Erdgasreserven und hat entsprechend ehrgeizige Pläne. So will es seine Lieferungen an den russischen Monopolisten Gazprom erhöhen, damit der ein Viertel des europäischen Bedarfs decken kann.

„Ich erwarte einen heftigen Machtkampf in Turkmenistan, und zwar zwischen pro-amerikanischen und pro-russischen Kräften“, sagte am Donnerstag ein Vertreter der russischen Gasbranche, der anonym bleiben wollte. „Das Gas wird dabei die zentrale Rolle spielen. Kurzfristig wird es für Russland und darüber hinaus keine Lieferprobleme geben, auf mittlere Sicht kann es jedoch ein Albtraum werden.“ Der „Turkmenbaschi“, der die einstige Sowjetrepublik mit eiserner Faust regiert hatte, sei auch in den Verhandlungen über Gaslieferungen die alles entscheidende Figur gewesen. „Andere Leute spielten überhaupt keine Rolle.“

Sollte der Tod Nijasows zu politischen und sozialen Unruhen führen, könnten die Gaslieferungen aus Turkmenistan an den russischen Gashändler RosUkrEnergo und die Ukraine unterbrochen werden, analysierte die Deutsche-Bank-Tochter Deutsche UFG in einer schriftlichen Erklärung. Die Turkmenen waren im vorigen Jahr kurzfristig eingesprungen, als Gazprom der Ukraine im Januar im Streit über höhere Preise den Gashahn zugedreht hatte.

Sollten die 41 Milliarden Kubikmeter aus Zentralasien ausbleiben, müsste die Ukraine sich bei Gazprom um Ersatz bemühen. „Wir erwarten außerdem schwierige Verhandlungen zwischen Gazprom und seinen Kunden, die wegen möglicher Machtkämpfe in Turkmenistan Probleme bekommen könnten“, schrieben die Experten der Deutsche UFG. Gazprom hat den Tod des turkmenischen Herrschers bis Donnerstagmittag nicht kommentiert. Er hoffe sehr darauf, dass die Nachfolger Nijasows eine berechenbare Politik betrieben und das Land stärker für ausländische Investoren öffneten, gab sich Energieexperte Waleri Nesterow von der Moskauer Maklerfirma Troika Dialog vorsichtig optimistisch.

Seite 1:

„Gas wird zentrale Rolle spielen“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%