Spanien
Eurokrise kostet Zapatero das Amt

Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordhöhe, die Wirtschaft stagniert und das Schuldenproblem spitzt sich zu. Die Krise wird auch die Parlamentswahlen in Spanien beeinflussen - ein Machtwechsel steht bevor.
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MadridDie Wirtschaftskrise in Spanien macht nicht einmal vor den Toten Halt. In Saragossa lassen Behörden auf dem städtischen Friedhof Gräber räumen, wenn die Angehörigen der Verstorbenen mit der Zahlung der Mietgebühren in Verzug geraten sind. Die Toten werden dann in Massengräber umgebettet. Für die Lebenden ist die Krise zu einem Bestandteil des Alltagslebens geworden: Die Einnahmen der Privathaushalte sanken in diesem Jahr im Vergleich zu 2010 um 4,4 Prozent; fünf Millionen Spanier sind arbeitslos; in 1,3 Millionen Familien hat kein Mitglied einen Job.

Die Krise wird maßgeblich den Ausgang der Parlamentswahl an diesem Sonntag bestimmen. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass die seit 2004 regierenden Sozialisten ein Debakel erleben. Demnach werden die Konservativen nicht nur die absolute Mehrheit der Mandate, sondern einen Rekordsieg erringen. Mariano Rajoy, der konservative Oppositionsführer der vergangenen sieben Jahre, scheint für viele Spanier zur letzten Hoffnung geworden zu sein.

Spanien hatte in der Schuldenkrise zuletzt nicht mehr in der ersten Linie der Problemländer gestanden, weil die Aufmerksamkeit der Märkte sich auf Italien und Griechenland richtete. Aber nach der Ablösung der Regierungschefs Silvio Berlusconi in Rom und Giorgos Papandreou in Athen geraten auch Spaniens Finanzen wieder verstärkt unter Druck. Am Dienstag erreichte der Risikozuschlag, den der spanische Staat für seine Schulden zahlen muss, eine Rekordhöhe.

Spanien unterscheidet sich von den anderen Volkswirtschaften in Europa durch seine Arbeitslosenquote von fast 22 Prozent. Das ist die mit Abstand höchste in der EU. „Das Erstaunliche daran ist, dass es keine Aufstände gibt“, sagte José Manuel González-Páramo, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), der Zeitung „El País“. „Auf die Dauer ist so ein Zustand nicht tragbar.“ Viele Arbeitslosen schlagen sich mit Schwarzarbeit durch, andere bekommen Hilfe von Familienangehörigen.

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