Sparziele
Aufschub für Griechenland wird teuer

Ein Spar-Aufschub für Athen würde dem irischem Finanzminister zufolge 32 Milliarden Euro kosten. Die Troika will den Hellenen zwei Jahre mehr geben, um die Ziele zu erreichen. So soll die Belastung abgefedert werden.
  • 10

BrüsselBei der Griechenland-Rettung sind die Euro-Krisenmanager am Montag auf die Zielgerade eingebogen: Nachdem die Hellenen in der Nacht zuvor ihren Sparhaushalt beschlossen haben, bescheinigte ihnen die Troika in ihrem lange erwarteten Zeugnis „substanzielle Fortschritte“. Um die Wirtschaft nicht endgültig abzuschnüren, schlagen die internationalen Schuldenkontrolleure einen Aufschub der Sparziele von zwei Jahren vor. Die Kosten dafür bezifferte Irlands Finanzminister Michael Noonan am Rande des Eurogruppentreffens auf „31 oder 32 Milliarden Euro“.

Wie die Lücke geschlossen und wie Athen in absehbarer Zeit wieder schuldentragfähig werden soll, darüber wurde in Brüssel noch heftig gerungen. Frankreichs Ressortchef forderte eine Lösung noch in der Nacht. Sein deutscher Kollege Wolfgang Schäuble (CDU) forderte dagegen „Gründlichkeit“ und erwartete noch keinen definitiven Beschluss für die Freigabe der nächsten Notkredittranche von 31,5 Milliarden Euro. Denn dafür müsste erst der Bundestag grünes Licht geben. Rückendeckung erhielt Schäuble von Christine Lagarde, der Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF): Sie mahnte, nach den Fehlversuchen der Vergangenheit sei nun keine „schnelle Lösung“, sondern „eine echte Lösung“ notwendig.

Bislang war vorgesehen, dass Athen bis 2014 wieder ein Primärüberschuss von 4,5 Prozent (das ist das Haushaltssaldo ohne Schuldendienst) erreicht und damit genug Geld hat, um seine Rechnung wieder selbst bezahlen zu können. Nun empfiehlt die Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), IWF und EU-Kommission, den Griechen bis 2016 Zeit einzuräumen. Das sei notwendig, um auf die tiefere Rezession zu reagieren, heißt es im Entwurf für eine entsprechende Verabredung, der der Nachrichtenagentur dapd vorliegt.

Für eine Beibehaltung des Ziels hätten die Hellenen ansonsten zusätzliche Einsparungen von neun Milliarden Euro in den kommenden zwei Jahren aufbringen müssen - neben den gerade beschlossenen 13,5 Milliarden Euro. „Der Aufschub wird die Belastung für die Wirtschaft abfedern“, schreiben die Troika-Experten in ihrem Bericht. Das werde aber die Glaubwürdigkeit des Programms nicht beschädigen, sondern im Gegenteil einen nachhaltigen Haushalt ermöglichen. Der Primärüberschuss von 4,5 Prozent müsste demnach in vier Schritten bis 2016 erreicht werden. Im selben Jahr soll das Gesamtdefizit dann erstmals unter drei Prozent fallen.

Seite 1:

Aufschub für Griechenland wird teuer

Seite 2:

Noch einmal über Wasser halten

Kommentare zu " Sparziele: Aufschub für Griechenland wird teuer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Überschüsse, welches durch das einseitige niederkonkurieren kleiner Länder in Europa erwirtschaftet wurden, werden germanisiert, aber die Kosten für dieses verantwortunglose Verhalten, wird in Europa sozialisiert. Man sollte Ursachen und Wirkung nicht verwechseln!So stellt sich Deutschland Europa vor, nur solange Deutschland Export Überschüsse erwirtschaften kann, ist Europa gut, wenn nicht dann eben schlecht?

  • @dago138161 soll Deutschland doch erst einmal all seine Überschüsse zu Lasten der kleinen Länder in der EU, welche diese durch das niederkonkurieren ohne Rücksicht auf Verluste, erworben haben, in Europa wieder ausgleichen.

  • In Sachen Milchmädchenrechnung steht der irische Finanzminister seinem deutschen Kollegen um kein Jota zurück. Michael Noonan tut gerade so, als können die griechische Regierung per ordre mufti bei ihren Haushaltseinnahmen und -ausgaben eine Punktlandung hinlegen. Wenn Griechenland bereits 2014 einen Primärüberschuss von 4,5% erzielen könnte, dann würde Athen dies auch tun und kein Aufschub erbitten. Mit jedem neuen Kürzungsprogramm sinkt jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland sein Defizit 2014, 2016 oder zum Sanktnimmerleinstag in den Griff bekommen wird. Wenn Noonan auch daheim derartige Milchmädchenrechnungen aufstellt, sollten wir uns ernsthafte Sorgen um die Zukunft Irlands machen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%