Sterbehilfe weiter verboten
Französisches Parlament billigt Betäubung todkranker Patienten

In der Sterbehilfe-Debatte geht das französische Parlament einen Mittelweg. Es sagt Ja zur Betäubung todkranker Patienten bis zu deren Ableben. Aktive Sterbehilfe bleibt in Frankreich aber weiterhin tabu.

ParisIn Frankreich soll die Betäubung todkranker Patienten bis zu ihrem Ableben künftig erlaubt sein. Das Unterhaus in Paris verabschiedete am Mittwoch ein entsprechendes Gesetz, am Abend wurde es auch vom Senat gebilligt. Die aktive Sterbehilfe bleibt verboten. Dem neuen Gesetz war eine jahrelange hitzige Debatte vorausgegangen. Am Ende einigten sich die Abgeordneten der regierenden Sozialisten und jene der Konservativen auf einen Kompromisstext.

Das neue Regelwerk erlaubt es Patienten, eine sogenannte terminale Sedierung einzufordern, also ein Recht auf „tiefe, kontinuierliche Betäubung, die eine Bewusstseinsänderung bis zum Tod“ nach sich ziehen kann. Konkret wird eine Verabreichung von Schmerz- und Betäubungsmitteln erlaubt, „selbst wenn sie das Leben der Person verkürzen.“ Gestattet ist dies aber nur, wenn bei dem Zustand der Patienten von einem raschen Tod auszugehen ist. Ärzte dürfen dann lebenserhaltende Maßnahmen einstellen, etwa die künstliche Flüssigkeitszufuhr oder Ernährung.

Das Gesetz gilt auch für jene Patienten, die ihren Willen nicht länger kundtun können. Zuvor sind jedoch Absprachen mit deren Familienangehörigen nötig. Patienten können auch eine Person ihres Vertrauens mit der Entscheidungsgewalt ausstatten, wenn sie ihre Wünsche nicht länger äußern können. Zudem verpflichtet das Gesetz Ärzte zu terminaler Sedierung und Einstellung der Behandlung, wenn Betroffene dies mündlich oder zuvor schriftlich verlangt haben. Die Betäubung kann je nach Wunsch des Patienten zu Hause oder in einem Krankenhaus stattfinden.

„Jeder muss selbst entscheiden können, wie er seine allerletzten Momente verbringen möchte“, sagte der sozialistische Abgeordnete Alain Claeys, der an der Formulierung des Gesetzes beteiligt war. Er äußerte sich in einer Rede vor der Nationalversammlung. „Unser Text hat einen Zweck: den Kampf gegen ein ‚schlechtes Sterben‘, das in Frankreich immer noch allzu oft passiert“, erklärte er.

Der ebenfalls an der Gesetzesausarbeitung beteiligte Konservative Jean Leonetti sah in der Vorlage eine Botschaft an die Franzosen: „Am Ende eures Lebens, wenn das Leid unerträglich wird, wird es euch das sanfte und ruhige Einschlafen erlaubt.“

Da bei der Methode Betroffene jedoch unter Umständen über mehrere Wochen bis zum Eintreten des Todes sediert werden könnten, führen einige Mediziner ins Feld, dass aktive Sterbehilfe möglicherweise humaner sei.

Befeuert wurde die Debatte durch das Schicksal von Vince Lambert, einem Franzosen, der seit einem Autounfall vor acht Jahren im Koma liegt. Seine Familie ist gespalten in der Frage, ob lebenserhaltende Maßnahmen bei ihm fortgesetzt werden sollen. Im Juni 2015 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass die Ärzte die Behandlung Lamberts einstellen könnten. Doch geht der Rechtsstreit in seiner Heimat weiter.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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