Steuern? Schutzzölle? Infrastrukturprogramm?
Donald Trump und die drei Fragezeichen

Wie sieht seine historische Steuerreform aus? Woher sollen die Milliarden für die marode Infrastruktur kommen? US-Präsident Donald Trump macht daraus weiter ein Geheimnis. Was er zur Wirtschaft alles nicht gesagt hat.
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WashingtonDie Erwartungen seitens der Wirtschaft waren groß – und sie wurden enttäuscht. US-Präsident Donald Trump ließ die Chance verstreichen, den heimischen Unternehmern mehr als die bereits bekannten Wirtschafts-Linien aufzuzeigen. Trump nannte auch in seiner mit Spannung erwarteten Rede vor dem US-Kongress keine Details zur Umsetzung seiner Wirtschafts-Agenda.

Was er zu sagen hatte, war nicht neu: etwa das Volumen von einer Billion Dollar für Infrastrukturprojekte und Steuersenkungen für US-Unternehmen und die US-Mittelschicht. Finanzieren will Trump dies über den öffentlichen und privaten Sektor. „Kauft amerikanisch“ und „Stellt amerikanisch ein“ seien die Grundprinzipien, sagte der Präsident.

In den Chefetagen und an den Finanzmärkten hatten Anleger aber gehofft, endlich zu erfahren, was genau der neue US-Präsident vorhat. Auch Details zur Strafzoll-Androhung blieben offen. Trump will Firmen, die Waren nicht in den USA herstellen, aber dort verkaufen, mit einer Sondersteuer belegen. Dies könnte auch deutsche Autobauer wie Volkswagen, Daimler und BMW treffen.

Zum Thema Steuern versprach Trump abermals eine „historische“ Steuerreform, die die Unternehmenssteuer senken und die US-Firmen weltweit wettbewerbsfähiger machen soll. Außerdem soll die Mittelschicht durch „massive“ Steuererleichterungen entlastet werden. Und wie sollen die konkret aussehen? Keine Antwort. Auch zur Grenzausgleichsteuer, dem Herzstück des republikanischen Vorschlages im Repräsentantenhaus, äußerte er sich nicht.

An den Finanzmärkten reagierten die Anleger zunächst enttäuscht. Die US-Börsen-Futures gaben im Verlauf der Rede einen Teil ihrer Zugewinne wieder ab, die sie in Erwartung von Details zuvor erreicht hatten. Der Dollar gab im asiatischen Handel zum Yen zunächst bis auf 112,80 Yen je Dollar nach. Kurz vor der Rede hatte der Kurs noch bei 113,13 Yen gelegen. Auch zum Euro verbilligte sich der Dollar zunächst, zog dann aber wieder an.

„Er hat nichts gesagt, was nicht auch schon vorher bekannt war, also haben die Märkte keinen Grund, positiv oder negativ zu reagieren“, sagte der Marktexperte Randy Frederick von Online-Broker Charles Schwab in einer ersten Reaktion auf Trumps Rede. Ähnlich äußerte sich Steve Massocca von Wedbush Securities: „Das lief alles ganz nett, auf jeden Fall ohne Landminen oder Explosionen.“ Weder im Guten noch im Schlechten habe es Überraschungen gegeben. Tim Ghriskey von der Solaris Group hob hervor, Trump sei freundlicher als sonst gewesen: „Er hat nicht bestimmte Leute angegriffen, wie er es sonst oft macht.“

Er habe aber auch nichts Negatives gesagt, hieß es in einer ersten Studie der französischen Bank Société Générale. Die Märkte könnten sich jetzt wieder auf die am 15. März anstehende Sitzung der US-Notenbank konzentrieren. Hier sei die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung nach jüngsten Aussagen von US-Notenbankvertretern gestiegen. Das stütze grundsätzlich den Dollar und US-Staatsanleihen.

William Dudley, der einflussreiche Präsident der regionalen Notenbank von New York, hatte am Dienstag vor dem Auftritt Trumps im Kongress gesagt, dass eine Zinserhöhung zunehmend zwingender werde. Sein Kollege John Williams, Chef der Notenbank in San Francisco, meinte zudem, eine Zinserhöhung könnte im März beim nächsten Treffen der Fed ernsthaft erwogen werden. An diesem Freitag steht noch eine stark beachtete Rede von US-Notenbankchefin Janet Yellen auf der Agenda.

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Kommentare zu " Steuern? Schutzzölle? Infrastrukturprogramm?: Donald Trump und die drei Fragezeichen"

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  • @Herr Helmut Metz, 01.03.2017, 13:27 Uhr

    "Donald Trump ist jedoch der EINZIGE demokratische Politiker, der den ausufernden unproduktiven staatlichen Schmarotzerjobs und dem aufgeblasenen staatlichen Bürokratie-Monster den Kampf angesagt hat."

    Die staatlichen Bürokratie-Monster durch die Installation einer Diktatur bekämpfen zu wollen heißt nichts anderes, als den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.

    Wenn sie nicht vom Regen in die Traufe kommen will, muss die Menschheit sich da schon intelligentere Lösungen einfallen lassen.

    Apropos "der einzige demokratische": Trump handelt NICHT demokratisch; ganz im Gegenteil, er versucht gerade, die wichtigsten Stützpfeiler der Demokratie abzusägen.

  • TRUMP wird das Schmatzen an den übervollen Polittrögen beenden.
    Leider fehlt uns so einer in D ... der gnadenlos diese Nickweibchen & Nickmännchen unter der Kuppel verscheucht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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