Steueroasen
Cayman Islands: Pleite im Paradies

Bisher vor allem für Briefkastenfirmen und sonniges Wetter bekannt, erlangt die britische Inselgruppe neue traurige Berühmtheit: nach Island stehen auch die Cayman Islands vor dem Finanzkollaps. Zur Rettung erwägt die Karibik-Steueroase nun sogar neue Steuern einzuführen.
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HB LONDON. Eigentlich trübt auf den Cayman Islands kein Wölkchen den Himmel. Reiche Menschen flanieren an weißen Sandstränden und tauchen ihre Zehen in türkisfarbenes Wasser. Doch nun braut sich Unheil über dem britischen Südseeparadies zusammen: dem Inselidyll geht das Geld aus.

Zusätzlich zu den tropischen Temparaturen erhitzt deswegen ein umstrittener Vorschlag die Gemüter: um den drohenden Finanzkollaps abzuwenden, sollen nun auch direkte Steuern in der Steueroase eingeführt werden. Denn die Finanzkrise ist auch über die Inselgruppe in der Karibik 300 Kilometer südlich von Kuba wie ein Sturm hinweggefegt.

Die Hauptstadt Georgetown gilt als der fünftgrößte Finanzplatz der Welt. Zwar haben die Inseln nur rund 52 000 Einwohner. Doch dafür haben hier tausende Unternehmen, Banken und Hedge Fonds einen Sitz - die meisten gerieten in der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Außerdem wurde die Kronkolonie nach dem Londoner G20-Gipfel im April vorübergehend auf die „graue Liste“ unkooperativer Steueroasen gesetzt. Das war weder gut fürs Image noch für die Geschäfte.

Zu allem Unglück weigert sich nun auch noch die britische Regierung, ihrer Karibik-Dependance auszuhelfen. Da die Inselgruppe im vergangenen Finanzjahr Rekordschulen angehäuft hat, musste sie jetzt in London um eine Erweiterung ihres Kreditrahmens betteln. Doch London zeigte sich "not amused" und lehnte die Anfrage über weitere 372 Millionen Cayman-Dollar (322 Millionen Euro) kurzerhand ab. Auch die Zusage für 30 Millionen Cayman-Dollar, um im September Gehälter und Subunternehmer zu zahlen, gab es nicht.

Erst müssten die Inseln ihr Defizit in den Griff bekommen, schrieb der Staatssekretär im Außenministerium, Chris Bryant. Es folgte der explosive Satz: „Ich fürchte, Sie haben keine andere Wahl, als neue Steuern in Erwägung zu ziehen - zum Beispiel Lohnsteuer oder Grundsteuer.“

Das ist eine Kampfansage auf das für die Inseln, die reich wurden, weil sie bisher keine direkten Abgaben wie Unternehmens- oder Einkommenssteuer erhoben. Und so versprach Regierungschef William McKeeva Bush auch umgehend, „alles zu tun, um durch diese turbulenten Zeiten zu kommen“ - ohne dabei den Tourismus oder die Finanzbranche zu schröpfen.

Auch Wirtschaftsvertreter glauben nicht, dass es Unternehmen nun an den Kragen geht. „Steuern sind nur ein Vorschlag“, sagte Charles Jennings von der Beratung Maples and Calder der Zeitung „Financial Times“. Es gebe „absolut keinen Hinweis“, dass Fonds oder generell die Offshore-Finanzbranche mit Steuern belastet werden sollen.

Im Inselparadies ärgert man sich über Londons Knauserigkeit - ist Großbritannien doch trotz weitreichender Autonomie zuletzt immer noch verantwortlich für seine ehemalige Kolonie. Von einer „gesetzlichen Pflicht, im Sinne der Cayman Islands zu handeln“, sprach Anthony Travers vom Branchenverband Cayman Financial Services Association.

Großbritannien will mit seinem Machtwort ein Zeichen setzen. London weiß, dass auch andere Steueroasen unter seinen Fittichen bald in Nöte geraten könnten. So soll das Außenministerium auch schon an die Mini-Karibikinsel Anguilla eine Warnung wegen ihrer öffentlichen Finanzen ausgesprochen haben.

Von einem drohenden Staatsbankrott der Cayman Islands, wie ihn die britische Zeitung „The Guardian“ bereits ausgerufen hatte, sieht sich die Regierung aber noch weit entfernt. „Wir haben mehr Vermögenswerte als Schulden“, sagte Bush, der auch Infrastrukturprojekte für das Finanzloch verantwortlich macht. „Wir werden uns retten. Und wir sind nicht schlechter dran als Großbritannien oder jedes andere Land.“

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