Steuerspiele in Paris
Frankreich will Unternehmen schröpfen

Die Steuerlast der Konzerne ist zu niedrig - darin sind sich Linke wie Rechte einig. Laut einer Studie zahlte nur die Hälfte der Spitzenunternehmen im Börsenindex CAC 40 die vollen Steuern. Das soll sich ändern.
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ParisHohe Gewinne, niedrige Steuern: Die Bilanzen der französischen Großunternehmen erregen die Öffentlichkeit. Medien und Politiker empören sich über die im Vergleich zu den Gewinnen als lächerlich gering angesehenen Zahlungen an Körperschaftsteuer. Lieblingsobjekt der Kritik ist Total: Der Ölkonzern zahlt 300 Millionen Euro Körperschaftsteuer bei einem Gewinn von über zwölf Milliarden. Aus der Perspektive von Total ist das mehr als genug: Ein Jahr zuvor habe man den französischen Fiskus schließlich auf Nulldiät gesetzt.
Nach den Präsidentschaftswahlen könnte den großen Unternehmen des Landes die Rechnung für die zurückhaltende Alimentierung des Staates präsentiert werden. Die gemäßigte Linke spricht offen von höheren Steuern für die Größten.

Der sozialistische Kandidat Francois Hollande will den Satz der Körperschaftsteuer für die Topunternehmen um zwei Prozentpunkte auf 35 Prozent anheben und für die mittleren auf 30 Prozent senken, die ganz kleinen sollen nur noch mit 15 Prozent belastet werden. Außerdem will er die Verlagerung von Unternehmensaktivitäten ins Ausland bestrafen: Die betreffenden Konzerne sollen alle Staatshilfen erstatten.

Aber auch aufseiten der Rechten tut sich etwas. Der bürgerliche Vorsitzende des Finanzausschusses, Gilles Carrez, von der Sarkozy-Partei UMP hat sich bereits im vergangenen Jahr die Unternehmensbesteuerung vorgenommen. Die Zahlen sprechen für sich: Die Spitzengruppe der Unternehmen, die sich im Börsenindex CAC 40 wiederfinden, habe in der Hälfte der untersuchten Fälle keine Körperschaftsteuer gezahlt oder Erstattungen erhalten.

Die über drei Veranlagungszeiträume im Jahresschnitt von den CAC-40 Unternehmen insgesamt aufgebrachten zwei Milliarden Euro entsprächen der Hälfte dessen, was Handwerker und Kleinstgewerbetreibende an den Fiskus abführen. Carrez folgert: „Die Besteuerung der größten Unternehmen ist unbestreitbar substanziell niedriger als die der kleinen und mittleren Unternehmen.“

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  • Die Steuer kan man gut gebrauchen; z.B. um die Folgen von recht auffälligen Zahlen von Selbstmorden in den Großfirmen wie France Telecom oder Renault zu finanzieren.
    Sowas gibt es übrigens auch in DE.

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