Stimmabgabe bis 18 Uhr
Griechen halten Schicksalswahl spannend

Noch zeichnet sich kein Stimmungsbild für den Ausgang der Wahl in Griechenland ab. Die Regierungsparteien werden aber den Ärger über die harte Sparpolitik zu spüren bekommen - eine stabile Koalition ist fraglich.
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AthenDas krisengeschüttelte Griechenland wählt am Sonntag ein neues Parlament. Der Ausgang der Wahl ist in Folge der rigiden Sparpolitik, die das Euro-Land vor dem Bankrott retten soll, völlig offen. Es wird erwartet, dass vor allem die konservative Nea Demokratia und die sozialistische Pasok als Regierungsparteien die Quittung für die anhaltende Rezession und immer neue Sparrunden bekommen. Ein Erfolg kleiner EU-kritischer Parteien könnte die Bildung einer stabilen Koalition verhindern, so dass es zu einer neuerlichen Verschärfung der Schuldenkrise kommen könnte und Griechenlands Zugehörigkeit zur Euro-Zone infrage gestellt wird.

Vertreter aller politischer Lage hoben angesichts der dramatischen Verschuldung und der hohen Arbeitslosigkeit die Bedeutung der Abstimmung als Richtungswahl hervor. "Wir sind uns einig, dass dies vielleicht die wichtigste Wahl ist. Heute entscheiden wir nicht nur über die Regierung, sondern auch über Griechenlands Kurs in den nächsten Jahrzehnten", sagte der scheidende Regierungschef Lukas Papademos. Pasok-Chef Evangelos Venizelos sprach von der wichtigsten Wahl seit dem Ende der Militärdiktatur 1974.

Er hoffe, dass die Menschen politisch bewusst und mit Bedacht abstimmten. Dem widersprach der junge Chef der Linken Koalition, Alexis Tsipras: "Wir erwarten, dass das Volk ganz Europa einen Kurswechsel signalisieren wird." Für den "barbarischen Sparkurs" sei in Europa kein Platz.

Die Wahllokale sind von 6 bis 18 Uhr geöffnet. Mit ersten Trends wird kurz danach gerechnet, doch ein klares Bild des Wahlausgangs dürfte es erst Stunden später geben. Da das seit Jahrzehnten vorherrschende Links-Rechts-Schema nicht mehr existiert, haben Demoskopen Probleme mit der Vorhersage des Wahlergebnisses. "All unsere Instrumente gründen sich auf eine Gesellschaft, die es nicht mehr gibt", sagte Meinungsforscher Kostas Panagopoulos.

Auf der Grundlage des Wahlrechts winken der stärksten Kraft - wahrscheinlich die Nea Demokratia - zwar 50 zusätzliche Sitze, doch es könnte passieren, dass es für Konservative und Sozialisten nicht zur Regierungsbildung reicht. Beide Parteien haben die griechische Politik seit Jahrzehnten dominiert. Die kleinen Parteien sind sich nur in der Ablehnung der Sparpolitik einig, so dass sie nicht gemeinsam regieren können.

Bereits im Juni muss das neue Parlament zusätzlichen Ausgabenkürzungen von elf Milliarden Euro für 2013 und 2014 zustimmen, die Voraussetzung für weitere internationale Hilfen sind. Die griechische Wirtschaft wird in diesem Jahr wahrscheinlich um weitere fünf Prozent schrumpfen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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