Strafvollzug
Russland will stalinistische Haftmethoden beenden

Russland will seinen Strafvollzug von Grund auf umkrempeln. Justizminister Alexander Konowalow kündigte am Freitag an, mit Haftbedingungen wie zu Zeiten des Sowjetdiktators Josef Stalin solle ein für alle mal Schluss sein. Als Ziel gab Konowalow den Strafvollzug des Westens an.
  • 0

HB MOSKAU. Der derzeitige Strafvollzug, "der noch auf Stalins Konzentrationslager zurückgeht", solle durch ein milderes System abgelöst werden, sagte Konowalow laut russichen Nachrichtenagenturen am Freitag in Moskau. Als Ziel nannte der Minister Haftbedingungen wie in der "zivilisierten Welt" im Westen. Menschenrechtler hatten den Zustand in russischen Lagern und Gefängnissen immer wieder als "Hölle auf Erden" kritisiert.

Kremlchef Dmitri Medwedew hatte das Strafvollzugssystem in einem Fernsehinterview am Donnerstag harsch kritisiert und Reformen angemahnt. Der Präsident hatte wegen der unmenschlichen Zustände zuletzt auch 17 hohe Strafvollzugsbeamte entlassen. Als Initialzündung der Reformen gilt der Tod des Anwalts Sergej Magnizki, der unlängst nach offiziellen Angaben an Herzversagen in Untersuchungshaft gestorben war. Der rätselhafte Fall hatte international für Aufsehen gesorgt.

Nach Darstellung Konowalows soll der extrem harte Strafvollzug durch ein differenzierteres System mit der Möglichkeit alternativer Strafmethoden abgelöst werden. Für Schwerverbrecher sollen besonders gesicherte Gefängnisse nach westlichem Vorbild entstehen. "Außerdem müssen wir ohne Zweifel die Qualität der sozialen Wiedereingliederung ehemaliger Gefängnisinsassen erhöhen. Hier geht es nicht um Wohltätigkeit, sondern um den Schutz der Gesellschaft", sagte der Minister. Damit solle das Risiko gesenkt werden, dass einmal Straffällige erneut Verbrechen begehen.

Kommentare zu " Strafvollzug: Russland will stalinistische Haftmethoden beenden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%