Strategische und wirtschaftliche Interessen
Neue EU-Länder machen sich für nächste Erweiterungsrunde stark

Erst ein Jahr gehören die zehn neuen Mitglieder der Europäischen Union an - und doch wird schon die nächste Erweiterungsrunde vorbereitet. Die EU-Länder aus Mittel- und Osteuropa mischen in der Debatte über das künftige Gesicht Europas besonders intensiv mit. Beitrittsaspiranten finden in ihnen starke Fürsprecher. Und aus strategischen und wirtschaftlichen Interessen machen sie sich darüber hinaus für eine aktive EU-Nachbarschaftspolitik stark.

WARSCHAU. Auch Kroatien und Balkanstaaten wie Serbien hätten das Recht, der EU anzugehören, sagte Polens Außenminister Adam Rotfeld diese Woche nach der Unterzeichnung der EU-Beitrittsverträge mit Rumänien und Bulgarien. Selbst eine Ablehnung der EU-Verfassung durch die Franzosen werde die Erweiterung der Union nicht aufhalten.

Polen, Ungarn, Tschechien oder die baltischen Staaten setzen sich zudem für eine baldige Integration der Ukraine ein. In diesen Ländern ist man überzeugt, dass eine demokratische und marktwirtschaftliche Ukraine, die westlichen Bündnissen angehört, auch die eigene Stabilität sichern wird. "Die Revolution in der Ukraine hat die Dimensionen Europas erweitert", sagte der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk.

Dass der Machtwechsel in Kiew friedlich über die Bühne ging, ist vor allem das Verdienst des polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwas-niewski. Gerade Polen hatte in Kooperation mit Deutschland dafür gesorgt, dass die EU einen Aktionsplan für die Ukraine beschloss. Darin geht es insbesondere um Wirtschaftsreformen, Handelsbeziehungen, Umweltschutz und militärische Zusammenarbeit. Im Rahmen der EU-Nachbarschaftspolitik hatte die Brüsseler Kommission im Dezember auch Aktionspläne für die Beziehungen zu Moldawien, Mittelmeerstaaten wie Marokko und Tunesien oder zu Israel verabschiedet.

Die Fürsorge der neuen EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa für ihre Nachbarn wie die Ukraine, Moldawien und die Staaten des westlichen Balkan hat historische, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Gründe. So haben Polen und die Ukraine eine lange gemeinsame Geschichte, gute Beziehungen zur Ukraine sind Teil der polnischen Staatsräson. Angesichts der arroganten Außenpolitik Russlands fühlen sich Staaten wie Polen, Ungarn, die Slowakei und Rumänien sicherer, wenn ein großes Land wie die Ukraine gute Beziehungen zu EU und Nato unterhält. Slowenien und Kroatien wiederum befürworten eine aktive Politik der EU gegenüber Bosnien, Serbien, dem Kosovo und Mazedonien, weil dadurch Sicherheit und Stabilität in ganz Südosteuropa gestärkt werden.

Seite 1:

Neue EU-Länder machen sich für nächste Erweiterungsrunde stark

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%