Streit mit Japan
Peking ruft den Mob zurück

Eine Woche protestierten die Chinesen gegen Japan. Nun schickt Peking die Demonstranten nach Hause. Der Grund: die Angst vor Ausschreitungen. Denn die Proteste könnten sich gegen die eigene Regierung wenden.
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PekingÜberraschende Trendwende im Streit um die Diaoyu-Inseln: Die chinesische Regierung lässt die Luft aus den Protesten. Vor der japanischen Botschaft in Peking waren am Mittwochmorgen keine Kundgebungen mehr erlaubt. Die Polizei fing Demonstranten schon in der Nähe der nächsten U-Bahnstation ab und schickte sie nach Hause. Eine Doppelreihe von Einsatzkräften schützte das Tor der Botschaft. Nachdem die Straße vor dem Gebäude mehrere Tage gesperrt war, fließt der Verkehr nun wieder normal.

Auch aus anderen Landesteilen ist davon zu hören, dass die Polizei die Proteste plötzlich unterdrückt. „Die Führung hat den Stecker gezogen“, sagt ein politischer Analyst in Peking. „Zu groß ist die Gefahr, dass die Proteste eskalieren und sich am Ende womöglich gegen die Kommunistische Partei richten.“ Er stellt einen Vergleich mit Südkorea an, wo nationalistische Proteste sich in den 80er-Jahren plötzlich gegen die Militärdiktatur gerichtet und die Demokratisierung des Landes eingeleitet haben. „So etwas will Peking nicht riskieren.“


Dazu passt es, das der japanische Kamara- und Druckerherstelle Canon die Bänder an allen drei chinesischen Standorten wieder anfahren lässt, wie eine Sprecherin in Peking dem Handelsblatt sagte. Canon hatte Ende vergangener Woche die Tore wegen Gefahr für die Mitarbeiter geschlossen. Der Elektrokonzern Panasonic prüft dagegen noch, wann er die Produktion am Standort Qingdao wieder anfahren lässt. Nach einem nationalistisch motivierten Brandanschlag war ein Gebäude beschädigt. "Derzeit laufen noch Reparaturen", sagte eine Panasonic-Sprecherin in Tokyo.


Eine gute Woche lang hatten die chinesischen Behörden antijapanische Hasskundgebunden toleriert und damit eine immer weitere Ausdehnung der Proteste ermutigt. Am Dienstag erreichten die Demonstrationen wegen eines historischen Jahrestags einen Höhepunkt. Die Besitzverhältnisse der Senkaku-Inseln (chinesisch Diaoyu) sind seit Jahren umstritten. Beide Seiten beanspruchen die Felsen für sich, weil Geologen in ihrer Nähe Gasfelder vermuten. Derzeit kontrolliert Japan die Inseln.

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