Streit um Bundeswehr-Standort Incirlik
Wie man ein militärisches Geschwader im Ausland betreibt

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Was das alles für eine mögliche Verlegung bedeutet

Infrastruktur:
Die sieben in Incirlik eingesetzten Flugzeuge benötigen Stellfläche, ebenso die Versorgungsflugzeuge, in der Regel Antonov AN-124, auf welche die Luftwaffe setzt. Wartungszelte oder Hangars sind für die Tornados unerlässlich. Gesicherte Bereiche für die Operations- und Auswertezentrale, den Geschwaderstab, die Munition, die Treibstoffe und den flüssigen Sauerstoff müssen zur Verfügung stehen.

Soldaten brauchen Unterkunftscontainer oder Hotelzimmer, Sanitär-, Verpflegungs- und Sozialbereiche ebenso wie eine ausreichende Stromversorgung, die im Zweifel auch über Notstromaggregate abgedeckt werden muss. Eine funktionierende Sanitätsstation gehört genauso zu den Notwendigkeiten wie sichere Kommunikationsmöglichkeiten, Satellitenanbindungen und ein gut funktionierender Kontrolltower.

Kaum ein Flugplatz hält all das vor, was nötig ist, um einen Verband wie das deutsche Geschwader von jetzt auf gleich aufnehmen zu können. Allerdings ist es ein großer Vorteil, dass auf allen drei jordanischen Plätzen bereits Amerikaner operieren, von „Muwaffaq Salti“ aus sogar mit zahlreichen unterschiedlichen Flugmustern. Die Deutschen könnten bei der Versorgung und der Infrastruktur nicht nur auf den „Host Nation Support“ (HNS), also die Jordanier, sondern auch auf die US-Partner bauen.

Sicherheit:
Incirlik befindet sich auf dem Territorium eines Nato-Mitgliedsstaates und ist durch die Türkei gut geschützt. Dies kann, je nach Lage des Flugplatzes, auch ganz anders aussehen und im Zweifel eigene Objektschutzkräfte erforderlich machen. In Jordanien ist die Sicherheit bereits durch die Gastgeber und die Amerikaner gewährleistet. Auch beim Brandschutz, einem weiteren neuralgischen Punkt, werden die Deutschen, auch das wie in Incirlik, wohl auf die Partner setzen können.

Fazit:

Die vier Handlungsfelder machen auszugsweise deutlich, was dazu gehört, ein Geschwader zu betreiben, und dass auch dessen Verlegung keine Angelegenheit von wenigen Tagen ist. Bei all den Herausforderungen, die sich aus einer möglichen Verlegung ergeben, lassen sich aber schon heute zwei positive Erkenntnisse ableiten:

Synergien wären vorhanden: In Incirlik kooperiert die Bundeswehr insbesondere mit den USA sehr eng. Dies wäre wohl auch in Jordanien der Fall. Auch sind die Jordanier Partner in der Anti-IS-Allianz und einer deutschen Verlegung gegenüber positiv eingestellt. Sie würden den ihnen möglichen Teil zum HNS und zur Unterstützung durch zivile Dienstleister beitragen.

Auch von Jordanien aus lässt sich operieren: Die jordanischen Basen sind insbesondere geographisch gegenüber Incirlik im Nachteil. Aber: Zwei der drei dort erkundeten Basen befinden sich ausreichend dicht am Haupteinsatzgebiet. Im Gegenzug zu „Prinz Hassan“ verfügt die „Muwaffaq Salti“-Base sogar über zwei Start- und Landeflächen, was ein großer operativer Vorteil ist, wenn man eine hohe Dichte von Lufteinsätzen fliegen will.

Neben den Amerikanern haben und hatten auch andere Anti-IS Koalitionäre hier Kampfflugzeuge stationiert. Lassen sich die Infrastruktur- und Versorgungsanforderungen der Deutschen erfüllen, wird man zu dem Schluss kommen, dass auch von Jordanien aus deutsche Flüge möglich sind. An dem hohen Aufwand, den eine Verlegung bedeuten würde, ändert das natürlich nichts.

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