Struck befürchtet erhebliche Finanzprobleme
Berlin warnt London beim Eurofighter

Bundesverteidigungsminister Peter Struck drängt die britische Regierung, endlich die Zusage für die Bestellung der zweiten Tranche des Kampfjets Eurofighter zu geben. In einem dem Handelsblatt vorliegenden Brief an seinen britischen Kollegen Geoffrey Hoon warnt Struck, weitere Verzögerungen hätten erhebliche Konsequenzen für das europäische Milliardenprojekt.

BERLIN. Deutschland, Italien und Spanien haben mit ihren Industrien bereits Vereinbarungen über die Lieferung der zweiten Tranche mit 235 Jets geschlossen. Nur in Großbritannien steht die Einigung mit dem Unternehmen BAE Systems aus.

Bei einer weiteren Verzögerung des britischen Abschlusses drohten die 2004 im Bundesetat für den Eurofighter bewilligten Mittel „unwiederbringlich“ verloren zu gehen, warnt Struck in dem Brief vom 24. September. „Das ist inakzeptabel.“ Im Verteidigungsetat 2004 sind für den Eurofighter 1,12 Mrd. Euro vorgesehen. Ein Verfall könne nur verhindert werden, wenn eine Vereinbarung der Regierung in London mit der britischen Industrie bis zum 15. Oktober vorliege.

Zum anderen warnt der deutsche Verteidigungsminister davor, dass eine weitere Verzögerung zu teuren Produktionsunterbrechnungen gerade bei kleineren und mittleren Zulieferfirmen führen könnte. „Industrielle Mehrkosten wiederum gefährden die deutsche Preisvereinbarung. Für eine Veränderung gibt es aber keine Haushaltsdeckung und daher auch keine Chance der Akzeptanz“, heißt es in dem Brief.

Bereits bei der Bestellung des Militärtransporter A400M hatte es Differenzen zwischen London und Berlin gegeben – damals aber mit umgekehrten Rollen. In mehreren Briefen an Struck hatte Hoon kritisiert, die schleppende Entscheidungsfindung in Berlin gefährde das europäische Gemeinschaftsprojekt.

Industriekreise rechnen nicht mehr mit einer Einigung im Laufe dieser Woche. „Dazu kommt, dass es danach ohnehin weitere sechs Wochen dauert, bis wir einen unterschriebenen, rechtsverbindlichen Vertrag für die zweite Tranche in der Hand haben“, schätzt ein Insider. Vielen Betrieben stehe aber schon heute das Wasser zum Hals.

Während größere Zulieferer wie der Triebwerkshersteller MTU oder die Diehl VA Systeme noch Spielräume haben, um Kurzarbeit zu umgehen, trifft es vor allem kleinere mittelständische Firmen. Europaweit sind über 400 Firmen am Eurofighter beteiligt, gut die Hälfte aller Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) hängen an dem Programm. Der Anteil der Mittelständler an der Ausrüstung und dem Triebwerk des Jets beträgt fast 60 Prozent. „Die Verzögerung bereitet uns große Sorgen“, sagt auch Hans-Joachim Gante, Präsidialgeschäftsführer beim BDLI. MTU-Chef Klaus Steffens hatte erklärt, eine Unterbrechung der Produktion und spätere Wiederaufnahme seitens der MTU sei nicht finanzierbar.

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