Südafrika
Polizei schießt auf streikende Minenarbeiter

Um einen Streik zu brechen, haben südafrikanische Polizisten haben auf eine Gruppe Arbeiter einer Platinmine geschossen und dabei 18 Menschen getötet. Der Streik sei illegal gewesen, argumentiert der Betreiber Lonmin.
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MarikanaIn Südafrika ist der Konflikt zwischen streikenden Bergleuten einer Platin-Mine und der Polizei eskaliert. Mehrere Menschen starben, als die Beamten am Donnerstag das Feuer auf mit Macheten und Stöcken bewaffnete Kumpel eröffnete. Die südafrikanische Nachrichtenagentur SAPA meldete 18 Tote in einem Lager nahe der Mine, auf Reuters-Filmaufnahmen waren mindestens sieben Leichen zu sehen.

An dem rund 100 Kilometer nordwestlich von Johannesburg gelegenen Marikana-Bergwerk hatten sich etwa 3000 Bergarbeiter versammelt, als die schwer bewaffnete Beamten Stacheldrahtbarrikaden aufbauten und die Verhandlungen in dem seit sechs Tagen anhaltenden Streik für gescheitert erklärten.

Einige Beobachter fühlten sich an Konflikte während der Apartheid-Regierung der weißen Minderheit in Südafrika vor 1994 erinnert, als Aufnahmen von auf Gruppen Schwarzer schießender Polizisten zu trauriger Berühmtheit gelangten. „Mir fällt seit 1994 keine andere Konfrontation zwischen Demonstranten und der Polizei ein, die entlang dieser Konfliktlinien verlief", sagte der politische Analyst Nic Borain.

Der Streik der rund 3000 Arbeiter begann am 10. August. Seit Sonntag starben bei Auseinandersetzungen zwischen Streikenden und Sicherheitskräften bereits mindestens neun Menschen, darunter zwei Polizisten. Lonmine, weltweit drittgrößter Platinproduzent, stuft den Streik als illegal ein.

Vor dem tödlichen Zusammenstoß an der Mine hatten die Behörden erklärt, nach dem Scheitern der Verhandlungen mit den Gewerkschaften gebe es keine andere Möglichkeit, als den Streik gewaltsam aufzulösen. „Heute ist leider der Tag X", sagte ein Polizeisprecher. Die radikale Gewerkschaft AMCU beschuldigte die Sicherheitskräfte eines Massakers.

Die Unruhen haben den Minenbetreiber Lonmin gezwungen, die Produktion im ganzen Land einzustellen. Das in London und Johannesburg gelistete Unternehmen teilte mit, es werde seine Produktionsziele für das Gesamtjahr verfehlen. An beiden Börsenplätzen brachen die Aktien rund sieben Prozent ein. Der Preis für Platin stieg an den Weltmärkten um bis zu 30 Dollar je Unze, was einem Aufschlag von mehr als zwei Prozent entspricht. In Südafrika befinden sich etwa 80 Prozent der bekannten Vorräte des Edelmetalls.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Südafrika: Polizei schießt auf streikende Minenarbeiter"

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  • Die Streikenden hatten Stöcke und Macheten in der Hand! Keine kugelsicheren Westen und Maschinengewehre! Ich frage mich, wieso immer wieder vermeintliche Rechtsstaatlichkeit protegiert wird, aber etwas ganz anderes tatsächlich vorherrscht. Es ist doch klar, dass die Streikenden mit Sicherheit im Unrecht sind und dazu noch extrem gewaltbereit, diese dann wiederum "niederzumähen" halte ich für absolut unverhältnismäßig, auch wenn es Lonmine und den Weltmarkt für Platin beunruhigt und erschüttert. Wenn es stimmt, dass die Minenarbeiter tatsächlich nicht genug Geld verdienen, um ihren Kindern Schuhe zu kaufen, dann mag eine Verdreifachung des Gehalts als Versprechen einer radikalen nicht ernst zu nehmenden Gewerkschaft nur zu verlockend sein, jedoch können ungebildete Arbeiter dafür nichts bzw. wenig. Entweder geht mit man mit "gutem" Beispiel nach bestem Bestreben mit Rechtsstaatlichkeit an so einen Streik oder man erklärt sich selbst zu einer authentischen Diktatur, aber unter dem Deckmantel von Rechtsstaatlichkeit so zu agieren, halte ich trocken gesagt, für äußerst armselig. Wann wurde der letzte Streik in Deutschland niedergeschossen!? Warum ist in dem Video eine gemeinsame Anwendung von Maschinengewehren und einem Wasserwerfer zu sehen; bemerkt jmd. die Ironie dort!?

  • Nurmalso ist das dein ernst? Das es rechtens ist auf streikende zu schießen? Willst du mir sagen das Leute die unter schlimmen ja beinahe grauenhaften bedingungen arbeiten, ihren Körper zerstören in diesen mienen damit wir hier in den Industrieländern billiges Platin haben, nicht das recht haben zu Streiken? Es kam auch zwei tote Polizisten wobei nicht geklärt ist von wem die getötet wurde. Rechnen wir mal zusammen 2 Tote Polizisten und 27 Tote Mienenarbeiter... Natürlich ist es auch von den Streikenden nicht rechtens Polizisten zu töten, das ist genau so falsch.
    Außerdem wo steht das sie bewaffnet waren? Ich kann mir kaum vorstellen dass die Streikenden mehr als ein paar Knüppel, Pickel und Schaufel hatten, gegen Maschinengewehre, Pistolen, Schlagstöcke...

    Ich verurteile das beide seiten getötet haben, aber einen Streik mit Waffengewalt aufzulösen ist Falsch und es ist einfach wenn man in seinen teuren Anzug sitzt zu sagen der STreik sei illegal

  • Da werden Menschen erschossen – und ein Kommentator findet das auch noch gut!
    Die Eskalation viel ja wohl nicht vom Himmel, die Polizei hätte mit entsprechender Präsenz dagegen halten können, aber Menschen zu erschießen ist wahrlich „eine Grenze überschreiten“. Auch wenn die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, diese Menschen sind tot!
    Wer schwingt sich hoch und urteilt über Andere? Woher nehmen diese Menschen dieses Recht? Ich bin schockiert…

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