Syrien
Die Lage spitzt sich zu

Während der Machtpoker vor einem möglichen Militärschlag der USA gegen das Assad-Regime weitergeht, sorgen sich Syrer vor einem weiteren Giftgas-Angriff als Racheakt. Die Bundesregierung warnt vor Reisen in den Libanon.
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Beirut/Amsterdam/BerlinIn den Vororten von Damaskus üben Ärzte mit ihren Teams den Ernstfall. Sie versuchen zudem, sich von Hilfsorganisationen geschickte Medikamente und Sauerstoffflaschen zu sichern, um Giftgas-Opfer zu behandeln. "Wir fürchten einen weiteren Chemiewaffen-Angriff als eine Art Rache auf einen Militärschlag des Auslands", sagte Abu Akram, Arzt in einem von Rebellen kontrollierten Vorort der Hauptstadt, am Samstag.

Schon seit Tagen decken sich viele Einwohner von Damaskus mit dem Nötigsten ein, weil sie Versorgungsengpässe fürchten, oder sie versuchen, sich an militärisch weniger sensiblen Orten in Sicherheit zu bringen.

Ein Mann in Damaskus versuchte, seine wichtigen persönlichen Dinge wie Pässe oder andere Dokumente in Sicherheit zu bringen. Mit einer prall mit Unterlagen gefüllten Tasche in der Hand sagte er, er wisse nicht, wo er diese verstecken solle. "Im Haus meiner Eltern, bei meinen Schwiegereltern, im Büro? Ich weiß nicht, wo es sicherer ist."

Die syrische Bevölkerung lebt seit Monaten in Angst vor Angriffen und Bombenanschlägen. In dem Bürgerkrieg sind bereits mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen.

Unterdessen kamen die UN-Waffeninspektoren im niederländischen Rotterdam an, wie ein Vertreter des dortigen Flughafens bestätigte. Die Inspekteure würden die von ihnen mitgebrachten Proben an verschiedene Laboratorien zur Untersuchung geben, erklärte die in Den Haag ansässige Organisation zum Verbot chemischer Waffen. Die Experten waren am Morgen von Syrien in den Libanon gereist und flogen von dort mit einer von Deutschland gecharterten Maschine weiter in die Niederlande.

Angesichts der angespannten Lage in der Region hat das Auswärtige Amt die Reisehinweise für Syriens Nachbarland Libanon verschärft. Aktuell werde von Reisen in das gesamte Land abgeraten, teilte das Ministerium am Samstag auf seiner Website mit. Die nachdrückliche Warnung vor Reisen in den Nordlibanon, die wegen der Gefahr spontaner Auseinandersetzungen der Bewohner schon zuvor bestanden hatte, hielt das Auswärtige Amt aufrecht.

Der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien spaltet auch den Libanon. Ein Teil der Bevölkerung unterstützt wie die schiitische Hisbollah-Miliz die syrische Führung, andere Libanesen stehen hingegen hinter den Rebellen, die gegen Syriens Staatschef Baschar al-Assad kämpfen. Derzeit ist die Lage besonders gespannt.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Syrien: Die Lage spitzt sich zu"

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  • @hafnersp
    Wenn also die "Rebellen" vom Ausland finanziert werden um die Regierung Syriens zu destabilisieren und es sich demnach nicht um einen Bürgkrieg handelt, sind wir dann nicht de-facto in einem offenen Krieg zwischen den Blöcken des kalten Krieges? Bedeutet dies nicht auch, dass sich die USA genauso gut direkt in die Kampfhandlungen einbringen könnten, ohne dass sich die militärischen Fronten verschieben würden? Besser fomuliert: Wenn sich die Interessengruppen auf dem syrischen Schauplatz nicht einigen können auf Kosten Millionen von syrischen Flüchtlingen, was spricht gegen einen offenen Krieg? Falls Obama Beweise fälscht um in einen Krieg zu ziehen, dann doch nur um der faktisch bestehenden US-Front Verstärkung zu schicken. Falls die Russen das Regime in Damaskus erhalten wollen, können sie ja auch gerne Assad militärisch unterstützen. Also wie gehabt, Sie reden Unsinn, indem Sie die logische Konsequenz aus Ihrer bisherigen Argumentation entgegen eines US-Imperialismuses nicht zu folgern wagen!

  • @Shadhajuuhpioky

    Das ist Unsinn. Die "Rebellen" (übrigens laut einer Ärzte-Organisation sehr wenig Syrer) wachsen nicht so einfach auf Bäumen und deren Bewaffnung bis hin zu Granaten auch nicht.

    DAS MUSS FINANZIERT WERDEN.

    Das ist kein Bürgerkrieg (wenn sich auch manche Syrer sunnitischen Glauben noch daran beteiligen mögen - ich nehme an Sie sind ein sunnitischer Exil-Syrer) - das ist eine gezielte Destabilisierung von AUSSEN! Für den Krieg sind daher die Interessengruppen verantwortlich, die hinter den "Rebellen" (inwischen fast nur noch ausländische Söldner) stehen. DORT MUSS man ansetzen, wenn man den Konflikt beenden will.

    Mein Tip für die Verantwortlichen an diesem Elend: Saudi-Arabien (und dahinter die Anglo-Amerikaner).
    Das Leiden der Bevölkerung ist für diese Leute ein "Kollateralschaden" (für die anderen Regierungen an diesem Gezerre natürlich ebenfalls. Man muß sich darüber klar sein, hier geht es um kalte INTERESSEN und MACHTPOLITIK)

    Hier WIEDERUM der Videoclip mit General Wesley Clark zur Langzeit-Planung der US-Admin:

    http://www.youtube.com/watch?v=9RC1Mepk_Sw

    Hier zu den Saudis und ihren "Rebellen"

    http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/08/saudi-arabien-droht-russland-mit.html

    Das Völkerrecht interessiert zwar mittlerweile niemanden mehr. Aber alle Angriffe gegen Syrien sind VÖLKERRECHTSWIDRIG solange die UNO keinen entsprechenden Beschluß gefaßt hat.
    Obama macht sich zum Kriegsverbrecher! Und gehört in diesem Fall vor ein Gericht!

  • @hafnersp
    "Dilettanten am Werk"
    Sie sehen natürlich ein, dass die Interessen der Bürger Syriens vorrang geniessen, vor allen erdenklichen "Weltherrschafts-Theorien"... Mag ja sein, dass die USA und Ihre Verbündeten alles tun und lassen, um weiter die militärische Spitze dieses Planeten anzuführen. Unter diesem Superstaaten-Kalkül, den die USA womöglich betreibt, darf nicht übersehen werden, dass 100.000 und mehr Menschen in diesem Konflikt Ihr Leben lassen mussten und Millionen von syrischen Bürgern auf der Flucht sind. In diesen Konflikt einzugreifen ist zu einer Option geworden. Entweder durch Putin oder eben durch Obama. Ich denke ohne ein Eingreifen verlieren wir womöglich weitere 100.000 Menschenleben in einem Bürgerkrieg der Syrer, welche bald nicht mehr wissen, weshalb dieser Konflikt immer weiter schwelt...weil immer mehr Machtblöcke sich dieses Schauplatzes ermächtigen, wobei es sich ursprünglich aber um einen innersyrischen Konflikt handelte (wenn auch historisch komplexer). Ja sicher muss interveniert werden, damit syrische Fronten syrische bleiben und die Opferzahlen nicht in die Millionen gehen. Dabei ist es, wie eben erwähnt, nicht erheblich ob Putin oder Obama eingreift. Ein Geplänkel mit Massenvernichtungswaffen im Nahen Osten ohne massive Militärische Rückkopplung an den Menschenverstand würde nur dazu führen, dass diese Waffen wiederholt eingesetzt würden. Sie wenden sicher ein, Putin würde bei einem Eingreifen das Assad-Regime verteidigen. Richtig, aber allzu moralisch sollte nicht argumentiert werden, da Menschen in Afrika zu Millionen verhungern ( http://de.wfp.org/hunger/hunger-statistik ) | Wir sollten daher, moralisch-kategorisch, die syrischen Asylanten zurückführen und der Sache Ihren Lauf lassen. Politisch jedoch, ist eine militärische Intervention zur Befriedung Syriens und einer gerechtfertigten Rückführung der Flüchtlinge, vertretbar.

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