Syrien
Viele Tote bei Gefechten in der Provinz Idlib

Nach der Protesthochburg Homs nehmen die Assad-Truppen die syrische Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei unter Beschuss. Oppositionelle berichten von Massakern und heftigen Gefechten.
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Damaskus/IstanbulNach der syrischen Protesthochburg Homs nehmen die Truppen von Präsident Baschar al-Assad jetzt die Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei in die Zange. In der Provinz, in der bei der Offensive am Dienstag zahlreiche Menschen umgekommen sein sollen, halten sich viele Deserteure auf.

Ebenso angegriffen wurde die Stadt Deraa, wobei auch Raketen zum Einsatz gekommen sein Sollen. Dies berichten Vertreter der Opposition. „Der Angriff begann am frühen Morgen. Die Rebellen schießen zurück, aber sie sind in der Unterzahl“, sagte ein Bewohner aus Deraa. Im Stadtteil al-Balad seien etwa 20 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge in Stellung gegangen. Berichte aus Syrien können nicht verifiziert werden, weil die Regierung eine unabhängige Berichterstattung nicht zulässt.

Die Gefechte in der Provinzhauptstadt Idlib sollen verlustreich gewesen sein, teilten Oppositionelle mit. Im Bezirk Dschabal al-Sawija kamen nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter am Mittwoch ein Aktivist und zwei Deserteure ums Leben.

In dem grenznahen Dorf Al-Dschanudija seien den Truppen Waffen und Munition der Deserteure der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) in die Hände gefallen, hieß es. Die FSA soll sich nach mehrtägigen Angriffen der Armee aus der Stadt Idlib zurückgezogen haben. Die Deserteure sind den Regierungstruppen nach Einschätzung westlicher Militärs von ihrer Bewaffnung her deutlich unterlegen.

Neue Angriffe der Regierungstruppen meldeten die Oppositionellen am Mittwoch auch aus den Provinzen Homs und Hama. Am Dienstag sollen in Syrien insgesamt 110 Menschen getötet worden sein. Dazu zählen nach Angaben der Protestbewegung 40 Männer, die in Idlib in der Nacht zum Dienstag hingerichtet worden seien.

Die zahlreichen Todesopfer der vergangenen Wochen lasten schwer auf dem oppositionellen Syrischen Nationalrat (SNC). Ein Oppositionsportal veröffentlichte am Mittwoch eine Erklärung des bekannten Regimekritikers Kamal al-Labwani, in der dieser seinen Austritt aus dem SNC bekanntgab. Er warf der SNC-Spitze Tatenlosigkeit und Heuchelei vor.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit Beginn der Revolte vor einem Jahr mehr als 8000 Menschen getötet worden. Die Regierung spricht von 2000 Soldaten und Polizisten, die von den Rebellen getötet worden seien. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks flohen bereits 230.000 Menschen vor den Kämpfen. 30.000 hätten Schutz im Ausland gesucht. Mittlerweile suchen täglich 200 bis 300 Syrer ihr Heil vor allem in der Türkei. Ihr Fluchtweg wird durch Minen gefährdet, die die Regierung nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verlegte.

Amnesty International wirft Syrien systematische Folter von Gefangenen vor. Schon bei der Einlieferung in Haftzentren würden sie misshandelt. Überlebende hätten berichtet, sie seien in Reifen gezwängt, aufgehängt und mit Elektroschocks gefoltert worden.

Eine politische Lösung ist weiter nicht in Sicht. Der als Sondergesandter tätige frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan warf Assad vor, seine Vorschläge nicht ausreichend beantwortet zu haben. Noch seien einige Fragen offen, sagte ein Sprecher Annans.

Nach zahlreichen anderen Staaten zog nun auch Italien sein Personal aus der Botschaft in Damaskus zurück, wie das Außenministerium in Rom mitteilte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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