Syrische Militärattacke
USA verurteilen den "abscheulichen Einsatz"

Das syrische Regime wird für sein brutales Vorgehen gegen Regimegegner immer schärfer verurteilt. Damaskus lässt die Proteste offenbar auch aus der Luft bekämpfen - Tausende flüchteten bereits in die Türkei.
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Washington/New York/IstanbulDas syrische Militär geht inzwischen auch aus der Luft gegen die seit Monaten demonstrierenden Regierungsgegner vor. In der nordwestlichen Stadt Maarat al-Numaan feuerte die Armee einer Menschenrechtsgruppe zufolge am Freitag aus Kampfhubschraubern auf Zehntausende Demonstranten. Mindestens fünf Hubschrauber hätten das Feuer aus automatischen Waffen eröffnet, um eine Protestkundgebung aufzulösen, berichtete ein Augenzeuge über Telefon. „Die Menschen flohen in Felder, unter Brücken und in ihre Häuser, aber obwohl die Straßen dann fast menschenleer waren, dauerte der Beschuss noch Stunden an.“ Es sind die ersten Berichte über einen Lufteinsatz gegen die Regierungsgegner, die aus Syrien nach Außen drangen.

Die USA verurteilen den „abscheulichen Einsatz von Gewalt“ in Syrien scharf und verlangen ein sofortiges Ende der Brutalität. In einer Erklärung des Weißen Hauses vom Freitagabend hieß es weiter, dass es diese Art von „entsetzlicher Gewalt“ sei, die USA zur Unterstützung einer Resolution gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad im UN-Sicherheitsrat führen. In dem von Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Portugal vorgelegten Resolutionsentwurf soll die Assad-Regierung für systematische Menschenrechtsverletzungen bei ihrem Vorgehen gegen Regimekritiker verurteilt werden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte den Einsatz militärischer Gewalt gegen Zivilisten als „nicht akzeptierbar“. In einer Mitteilung der Vereinten Nationen vom Freitag in New York hieß es weiter, Ban sei tief besorgt über die Gewalt in Syrien. Er rief das Regime zu wirklichen Reformen auf. Auch der türkische Präsident Abdullah Gül warnte Damaskus vor der weiteren Anwendung von Gewalt. Die Türkei betrachte die Syrer als Nachbarn und Brüder, mit denen es auch familiäre Verbindungen gebe, zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Gül am Freitag in Istanbul.

Zur Unterdrückung der Proteste schießt die syrische Armee offenbar auch aus Hubschraubern auf Regimegegner. Wie der US-Fernsehsender CNN am Freitag unter Berufung auf Zeugen berichtete, wurde aus Helikoptern mit automatischen Waffen auf eine Menge von Tausenden Demonstranten nach dem Freitagsgebet in einer nordsyrischen Stadt geschossen. Von Schüssen von Sicherheitskräften soll mindestens ein Dutzend Menschen getötet worden sein. Arabische Sender berichteten am Freitagabend sogar von mehreren Dutzend Toten. Im Visier der Soldaten im Großeinsatz in der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes sind Regimegegner.

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  • Die USA verurteilen den „abscheulichen Einsatz von Gewalt“. Die Betonung liegt auf dem Wort „den“.

    Die Amis können ja schlecht sagen, dass sie jeden abscheulichen Einsatz von Gewalt gegen Zivilisten verurteilen. So geht das nicht. Dann müssten sie ja erst mal bei vor der eigenen Haustüre kehren. Denn gerade dort liegt so unendlich viel Dreck.

    Und an den Händen des CIA klebt mehr blut, als bei allen Diktatoren zusammen.

    Wie oft können wir lesen, dass in Afghanistan und im Irak unschuldige Zivilisten, auch nur so zum Spaß von US-Soldaten ermordet werden? Wiki-Leak sei Dank. Tja, wer diese Schweinereien an die Öffentlichkeit bringt, bzw. an Wiki-Leaks weitergibt, der brummt schon mal in paar Jahrzehnte im Knast.

    Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen.

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