Tatmotiv „persönliche Rache“
Spanischer Toppolitikerin auf offener Straße erschossen

Sie sollen demselben Politik-Lager angehören, wie ihr Opfer: Zwei Spanierinnen stehen im Verdacht, eine Politikerin der konservativen Volkspartei öffentlich erschossen zu haben. Ihre Motive könnten persönlicher Art sein.
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LéonDer Mord an der einflussreichen konservativen Politikerin Isabel Carrasco erschüttert Spanien. Die konservative Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy und die Opposition der Sozialisten (PSOE) sagten wegen der Bluttat Wahlkampfveranstaltungen zur Europawahl ab. Die für Dienstag geplante TV-Debatte der Spitzenkandidaten Miguel Arias Cañete und Elena Valenciano wurde auf Donnerstag verschoben.

Die 59-jährige Carrasco, PP-Parteichefin in der nordspanischen Provinz León, war am Montag in der gleichnamigen Provinzhauptstadt auf offener Straße erschossen worden. Wenige Minuten nach dem Mord wurden eine 55 Jahre alte Frau und deren 35-jährige Tochter als mutmaßliche Täterinnen festgenommen. Die verdächtigen Frauen gehören nach Medienberichten ebenso wie das Opfer der PP an. Zunächst war unklar, welche von den Frauen die tödliche Schüsse abgefeuert hatte.

Das Motiv der Tat sei vermutlich ein „persönlicher Racheakt“ gewesen, verlautete aus dem Madrider Innenministerium. Die festgenommene 35-Jährige war von der - von Carrasco geleiteten - Provinzverwaltung in León entlassen worden und hatte einen Rechtsstreit mit der Behörde verloren.

Die Politikerin wurde in der Nähe ihrer Wohnung auf einer Fußgängerbrücke erschossen, die über den Fluss Bernesga führt. Augenzeugen berichteten, es seien drei bis fünf Schüsse aus unmittelbarer Nähe auf Carrasco abgefeuert worden. Ein pensionierter Polizist, der den Mord beobachtet hatte, trug dazu bei, dass die mutmaßlichen Täterinnen rasch gefasst wurden.

Die Tatwaffe konnte nach Polizeiangaben zunächst nicht sichergestellt werden. Die Ermittler vermuteten, dass sie in den Fluss geworfen wurde. Die Verdächtigen sind die Ehefrau und Tochter eines hohen Polizeibeamten. Der Beamte teilte nach Medienberichten seinen Vorgesetzten mit, dass seine Dienstwaffe sich in seinem Gewahrsam befinde.

Carrasco hatte sich auf dem Weg zum PP-Parteibüro befunden. Von dort wollte sie nach Valladolid fahren, um an einer Wahlkampfkundgebung mit Rajoy teilzunehmen. Die Politikerin hatte als die mächtigste Frau in León gegolten, das im Mittelalter die Hauptstadt eines eigenen Königreichs war. „Sie war die letzte Königin eines alten Reiches“, schrieb die Zeitung „El Mundo“.

Carrasco wurde als eine temperamentvolle und resolute Politikerin beschrieben, die kein Blatt vor den Mund nahm. Sie war von 1995 bis 2003 Wirtschafts- und Finanzministerin der Region Kastilien-León. Ihre Gegner warfen ihr einen autoritären Stil und Ämterhäufung vor. Aufgrund ihrer zahlreichen Ämter in der Partei, in kommunalen Instanzen und Unternehmen wurde sie in der Presse auch als „die Politikerin mit den zwölf Gehältern“ bezeichnet.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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