Tausende auf der Flucht
Islamisten nehmen drittgrößte Stadt Somalias ein

Im ostafrikanischen Somalia haben islamische Milizen offenbar ihr Einflussgebiet auf den Süden ausgeweitet. In den vergangenen Tagen waren zudem wieder tausende Menschen ins benachbarte Kenia geflohen. In den Lagern im Grenzgebiet kommen nach Uno-Angaben täglich bis zu 600 Menschen an. In Somalia herrscht seit 15 Jahren Chaos. Damals stürzten lokale Kriegsherren den Militärdiktator Mohamed Siad Barre.

HB KISMAYO. Augenzeugen berichteten, die Milizen hätten in der Nacht zum Montag die strategisch wichtige Hafenstadt Kismayo im Süden des Landes eingenommen, ohne dass auch nur ein Schuss gefallen sei. Andere Augenzeugen berichteten hingegen, islamistische Kämpfer hätten am Montag in der südsomalischen Hafenstadt das Feuer auf Demonstranten eröffnet. Dabei seien mindestens zwei Menschen verletzt worden.

Seit dem frühen Morgen versammelten sich Menschen, um den Einmarsch der Kämpfer zu verfolgen. Der in der Region eigentlich herrschende Kriegsherr war am Sonntag geflohen. Sein Bündnis leistete keinerlei Widerstand gegen die Milizen. Einige Mitglieder kündigten umgehend ihre Zusammenarbeit mit den Islamisten an.

„Ich bin froh über den Wechsel und begrüße ihn. Der Polizeichef und ich werden mit der Vereinigung islamischer Gerichte (Milizen) zusammenarbeiten“, sagte der Vize-Chef der Polizei von Kismayo, Abdi Mohamed, der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Milizen hatten zunächst die von den USA unterstützten Kriegsherren aus der Hauptstadt Mogadischu vertrieben und ihren Einflussbereich dann über die Stadt hinaus ausgeweitet. Ihr Aufstieg hat Befürchtungen genährt, sie könnten in dem afrikanischen Land ein Regime ähnlich dem der radikal- islamischen Taliban in Afghanistan aufbauen. Die Milizen weisen dies zurück und sagen, sie wollen nur die Normen und Werte des Islams durchsetzen. Vor wenigen Tagen wurde in Mogadischu indes erstmals seit der Einnahme der Stadt durch die Milizen das islamische Recht, die Scharia, öffentlich angewandt: Ein verurteilter Mörder wurde vor hunderten Menschen durch Scharfschützen hingerichtet.

In den vergangenen Tagen waren tausende Menschen aus Kismayo ins benachbarte Kenia geflüchtet, aus Angst vor einem Aufflammen der Unruhen. In den Lagern im Grenzgebiet kommen nach Angaben der Vereinten Nationen täglich bis zu 600 Menschen an. In Somalia herrscht seit 15 Jahren Chaos. Damals stürzten lokale Kriegsherren den Militärdiktator Mohamed Siad Barre. Seither hat das Land 14 Anläufe unternommen, wieder eine Zentralgewalt zu installieren. Sie scheiterten alle an Kämpfen zwischen den verschiedenen Stämmen und Interessengruppen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%