Terror in Nigeria
Im Würgegriff der Islamisten

300 Schülerinnen hat die islamistische Terrororganisation Boko Haram in Nigeria entführt. Die selbst ernannten „Taliban“ verbreiten im Land Angst und Schrecken. Und die Machthaber schauen untätig zu.
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KapstadtNie zuvor in der Geschichte des Weltwirtschaftsforums dürfte ein Regionalgipfel der Organisation unter derart strikten Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden haben wie der Africa summit diese Woche in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Mehr als 6000 Soldaten und Polizisten sind hier seit Mittwoch im Einsatz, um die Sicherheit der rund 1000 Teilnehmer zu garantieren, darunter der chinesische Premier Li Keqiang, eine Reihe afrikanischer Staatschefs aber auch Manager wichtiger Unternehmen und NGOs. Alle Schulen und Regierungseinrichtungen bleiben in dieser Woche in Abuja geschlossen, um die Überwachung der einst künstlich aus dem Boden gestampften Hauptstadt im Herzen Nigerias ein wenig zu vereinfachen.

Zwei schwere Bombenanschläge der radikalen Islamistensekte Boko Haram in Abuja im letzten Monat, bei denen fast 100 Menschen umkamen, haben dem erstmals in Nigeria ausgerichteten Afrika-Gipfel eine völlig neue Dimension gegeben. Statt über Nigeria und sein vermeintlich so großes wirtschaftliches Potenzial werden die Delegierten nun wohl weit mehr und länger über die Eskalation der politischen Gewalt und die Zukunft des Ölstaates sprechen, den einige Beobachter bereits als „failed state“ definieren. Mehr als 1500 Menschen sind allein in den ersten drei Monaten des Jahres ganz überwiegend  im islamisch geprägten Nordosten des Landes von Boko Haram ermordet worden, ohne dass die Regierung, die dort angeblich seit Monaten eine Offensive durchführt, irgendetwas entgegenzusetzen hätte.

Erst am Montag waren bei einem weiteren nächtlichen Angriff der Sekte auf eine Kleinstadt in der Region mindestens 300 Menschen wahllos ermordet worden. So groß ist die Verunsicherung der Regierung und von Staatschef Goodluck Jonathan, dass dieser aus Sorge darum, welchen Effekt die Gewalttaten auf den Gipfel haben könnten, die Entführung von mehr als 300 Schülerinnen aus einem Mädcheninternat lange Zeit einfach ignorierte. 

Erst am vergangenen Sonntag, über drei Wochen nach der Entführung, hatte Jonathan  unter dem zunehmenden Druck der Weltöffentlichkeit erstmals öffentlich Stellung zu dem Drama bezogen und eine sichere Rückführung der Mädchen versprochen. Gleichzeitig musste er damals jedoch zugeben, dass weder seine Regierung noch das Militär irgendeinen Anhaltspunkt dafür haben, wo sich die Mädchen derzeit befänden und deshalb auch noch nichts unternommen hätten. Kein Wunder, dass die Empörung im eigenen Volk aber auch  weltweit danach überschwappte und Beobachter von einer Bankrotterklärung der Regierung sprachen. Noch nie, so hieß es, sei der Bevölkerung  des Landes die Unfähigkeit der eigenen Elite derart drastisch vor Augen geführt worden.

Kommentare zu " Terror in Nigeria: Im Würgegriff der Islamisten"

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  • " Islam und Islamismus ist damit zwar nicht das gleiche, aber man kann beides auch nicht effektiv voneinander trennen."
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    Korrekt, m.E. sind die Übergänge fließend.

  • Islamismus bedeutet nichts anders, als dass Leute sich auf die Fundmente des Islams beziehen und diese strikt in der heutigen Zeit umsetzen wollen, d.h. Sharia als Gesetz und Jihadismus als Lebensweg. Auch wenn die Mehrheit der Muslime friedlich ist, wird es immer einige geben, die sehr religiös sind, sich auf die Fundamente der Religion besinnen, und zu Islamisten werden. Islam und Islamismus ist damit zwar nicht das gleiche, aber man kann beides auch nicht effektiv voneinander trennen.

  • Man kann "Islamismus" nicht bekämpfen, und gleichzeitig "den Islam" in Schutz nehmen. Denn es gibt in jeder Kultur und überall einige sehr religiöse Menschen, die ihre Religion sehr ernst nehmen und sich auf deren Fundamente besinnen wollen. Darum gibt es neben vielen gemäßigten Muslimen auch immer einen Teil Fundamentalisten, z.B. Sharia-Befürworter und Jihadisten.

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