Terror in Spanien
Barcelona-Attentäter planten größeren Anschlag

Nach den Anschlägen von voriger Woche stehen die Behörden in Spanien noch vor offenen Fragen. Am Dienstag wurden die vier lebend gefassten mutmaßlichen Terroristen befragt. Einer von ihnen ist nun wieder frei.
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MadridDie Attentäter von Barcelona planten nach Aussage eines der Festgenommenen einen wesentlich größeren Anschlag. Dabei hätte Sprengstoff eingesetzt werden sollen, sagte Mohamed Houli Chemlal am Dienstag vor dem Obersten Gericht nach Informationen aus Justizkreisen. Chemlal ist einer der vier Verdächtigen, die nach einer Explosion in einem Haus in Alcanar, südwestlich von Barcelona, festgenommen wurden.

Zwei der Männer hätten ausgesagt, dass der frühere Imam von Ripoll, Abdelbaki Es Satty, der Drahtzieher des Attentates gewesen sei und sie zu der Tat angestiftet habe, hieß es in den Kreisen. Er kam bei der Explosion in Alcanar ums Leben.

Fünf Tage nach den Anschlägen in Spanien hat der Ermittlungsrichter einen der vier gefassten mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle mangels Beweisen auf freien Fuß gesetzt. Er müsse nun wöchentlich vor Gericht erscheinen, seinen Pass abgeben und darf Spanien nicht verlassen. Ein weiterer Verdächtiger solle lediglich für weitere 72 Stunden in Polizeigewahrsam bleiben, wie spanische Medien am späten Dienstagabend unter Berufung auf Justizkreise berichteten.

Für die übrigen beiden jungen Männer habe Richter Fernando Abreu in Madrid Untersuchungshaft ohne Anrecht auf Kaution angeordnet, hieß es. Die Staatsanwältin hatte nach der richterlichen Anhörung der vier Verdächtigen in der Hauptstadt U-Haft für alle gefordert.

Bei einem Anschlag mit einem Lieferwagen in Barcelona und einer vereitelten Attacke im ebenfalls in Katalonien liegenden Küstenort Cambrils wurden am vorigen Donnerstag insgesamt 15 Menschen getötet. Die dafür verantwortliche Terrorzelle wurde nach Polizeiangaben zerschlagen. Neben den vier Gefassten soll die Gruppe demnach weitere acht Mitglieder gehabt haben, die alle tot seien.

Der 27-jährige Mohamed Allaa, der Besitzer des Wagens, der bei der vereitelten Attacke in Cambrils benutzt worden war, kommt den Berichten zufolge nun frei. Auf Haftentlassung kann auch der 34 Jahre alte Sahal el Karib hoffen.

Der 21-jährige Mohamed Houli Chemlal und der 28-jährige Driss Oukabir bleiben dagegen für die Dauer der Ermittlungen und bis zur eventuellen Eröffnung eines Verfahrens hinter Gittern. Den beiden wird unter anderem Terrorismus und Mord, Chemlal auch Sprengstoffbesitz vorgeworfen.

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Was die Verdächtigen dem Richter sagten

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