Terror
Mindestens 118 Tote bei Doppelanschlag in Nigeria

Erneut wird Nigeria von einem Terroranschlag erschüttert. Diesmal sind es weit über 100 Opfer. Ziel war die Stadt Jos. Der Verdacht fällt auf die Boko Haram, deren Aggressivität inzwischen weltweit Entsetzen auslöst.
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JosBei der Explosion von zwei Bomben in der zentralnigerianischen Stadt Jos sind am Dienstag mindestens 118 Menschen getötet worden. Das teilte ein Sprecher der nigerianischen Katastrophenschutzbehörde Nema in der Nacht zum Mittwoch mit. Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Opfer weiter steigen könnte. Vorher war von mindestens 46 Toten die Rede gewesen.

Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen. Als Urheber wurde aber wiederum die Terrorgruppe Boko Haram vermutet, die Mitte April mehr als 200 Schulmädchen im Norden Nigerias entführt hatte.

Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan verurteilte den Anschlag scharf. Die bisher unbekannten Attentäter bezeichnete Jonathan als grausam und böse.

Rund um den zentralen Markt von Jos wurden den Angaben zufolge ein Krankenhaus und andere Gebäude beschädigt. Mächtige Rauchwolken lagen über dem Ort des Geschehens. Eine Bombe habe sich in einem Lastwagen befunden, ein anderer Sprengsatz in einem Minibus, berichtete ein Offizier der Spezialeinsatzkräfte.

Die islamistische Organisation Boko Haram ist seit 2009 verantwortlich für den Tod Tausender Menschen in Nigeria. Allein seit Jahresbeginn gab es nach nigerianischen Angaben insgesamt schon über 2000 Opfer. Die Streitkräfte des Landes hatten im Mai 2013 eine Offensive gegen die Gruppe begonnen, jedoch ohne großen Erfolg. Die Terrorgruppe mit Kontakten zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern will im muslimischen Norden Nigerias einen fundamentalistisch-islamischen Staat errichten.

Mitte April hatte Boko Haram mehr als 200 Schulmädchen im Norden Nigerias entführt. Die Islamisten drohen, die Mädchen zu verkaufen, wenn die Regierung in Abuja gefangene Boko-Haram-Mitglieder und deren Angehörige nicht freilässt. Bisher fehlt trotz der Unterstützung von amerikanischen und europäischen Experten und dem Einsatz von Aufklärungsflugzeugen noch jede Spur von den Mädchen.

Frankreich und Nigeria sowie vier andere afrikanische Länder hatten am vergangenen Samstag bei einem Anti-Terrorgipfel einen Aktionsplan gegen die Terrororganisation beschlossen. Man werde den Informationsaustausch der Geheimdienste verstärken, die Aktionen afrikanischer Militärs koordinieren und die Grenzen in Afrika kontrollieren, sagte der französische Präsident François Hollande. Eine Militäraktion des Westens gegen Boko Haram schloss Hollande allerdings aus.

Der Terror der Extremisten treibt im Norden Nigerias immer mehr Menschen in die Flucht: Rund ein Jahr nach der Verhängung des Ausnahmezustands in den besonders schlimm betroffenen Bundesstaaten Yobe, Borno und Adamawa wurden dort nach UN-Angaben 250 000 Menschen vertrieben. Rund 61 000 weitere hätten in Kamerun, Tschad und Niger Zuflucht gesucht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Seltsam nicht? Wo immer Energierohstoffe wie Gas oder Öl auszubeuten sind oder Pipelines geplant sind, tauchen irre Extremisten auf (besonders die bei unseren US-Freunden so beliebten "Islamisten" wie z.B. Al-CIAda oder Boko Haram) und machen Ärger. Bis das Land von US-Truppen oder Truppen aus deren Vasallenstaaten besetzt, ähemmm beschützt wird. Wirklich sonderbar, wie diese Terroristen weltweit agieren!

    http://en.wikipedia.org/wiki/Trans-Saharan_gas_pipeline

    Hauptgaslieferanten für Europa und ihre Reserven

    http://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/a-967798.html

    Ähnliches passiert übrigens in Kenia. Dort gibt es sporadisch ebenfalls islamistischen Terror, wohl je nachdem wie die Verhandlungen mit den Chinesen fortschreiten. Kürzlich ist er wieder aufgeflammt und siehe da, die Regierung in Nairobi hat mit den Chinesen den Ausbau einer Eisenbahnlinie vereinbar, geplant letzlich bis hin zum Süd-Sudan (wo es gerade auch wieder ethnische Konflikte/Bürgerkrieg gibt).

    Die Welt ist doch klein, und das US-Center Africom in Stuttgart groß.

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