Terrorverdacht
Kniefall vor streitbaren Scheichs

Wer heute im Internet den Namen von Scheich Khalid bin Mahfouz sucht, stößt auf viele Seiten, in denen das Wort „Apology“ – Entschuldigung – auftaucht. Zwei französische Autoren haben mit Zeitungsanzeigen öffentlich bereut, das Oberhaupt der saudischen Bin-Mahfouz-Gruppe und seinen Sohn Abdulraham unter Terrorverdacht gestellt zu haben.

PARIS / BERLIN. In dem 2001 veröffentlichten Buch „Forbidden Truth“ („Die verbotene Wahrheit“) hatten die beiden französischen Autoren Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié behauptet, bin Mahfouz sei mit Terrorchef Osama bin Laden verwandt und habe ihn auch finanziert. Weil die saudische Milliardärs-Familie um ihren guten Ruf in der internationalen Banken- und Handelswelt fürchtete, zog sie in England und der Schweiz erfolgreich vor Gericht. Auf Anordnung der Richter mussten die Autoren nun öffentlich eingestehen, dass die behaupteten Terrorverbindungen jeglicher Grundlage entbehren und ganz offenkundig falsch sind. Neben der Entschuldigung soll auch „Die verbotene Wahrheit“ vom Markt genommen werden.

Brisard und Dasquié sind anerkannte Terrorexperten. Ihr Buch wurde auf Anhieb zum Bestseller, obwohl Fachleute die Qualität der Recherche teilweise anzweifelten. Bei ihren Behauptungen stützten sich die beiden Franzosen offenbar hauptsächlich auf den Amerikaner James Woolsey. Der frühere CIA-Chef kam allerdings im Gegensatz zu den Autoren ohne Entschuldigung davon.

Nicht nur dadurch wird die Scheich-Affäre zu einem politischen Skandal: Denn bin Mahfouz, der mit einem geschätzten Vermögen von 3,2 Mrd. Dollar auf Rang 214 der Liste der reichsten Männer der Welt steht, ist seit langem mit der Führung des Weißen Hauses verbandelt: 1976 half Kapital aus dem Hause der saudischen Familie der defizitären texanischen Ölfirma Harken Energy aus der Klemme. Deren Direktor war seinerzeit der heutige US-Präsident George W. Bush.

Bin Mahfouz stand darüber hinaus als Herr über das größte Geldhaus des Nahen Ostens – der Bank of Credit & Commerce International (BCCI) – auch im Mittelpunkt der so genannten Iran-Contra-Affäre. Damals hatte die US-Regierung unter Ronald Reagan illegal Waffen an die Mullahs im Iran verkauft und mit dem Geld die oppositionellen Contras in Nicaragua finanziert. Die BCCI musste deshalb später ein Millionen-Bußgeld zahlen.

Zusätzliche Brisanz gewinnt die Affäre, weil Brisard im Auftrag des französischen Geheimdienstes einen Bericht über die Finanzierung der El Kaida verfasste, den Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac Bush in Washington überreichte.

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