Terrorverdächtige
Indien verlangt Auslieferungen von Pakistan

Nach den Anschlägen von Bombay verlangt Indien von Pakistan als Geste des guten Willens die Auslieferung von rund 20 Terrorismusverdächtigen. Dies habe seine Regierung in einer Protestnote gefordert, sagte Außenminister Pranab Mukherjee und warnte vor einer Gefährdung des Friedensdialogs mit Pakistan.

HB NEU-DELHI. Regierungskreisen zufolge geht es dabei um Verdächtige, die Indien schon seit Jahren im Zusammenhang mit früheren Anschlägen sucht. Pakistan rief das Nachbarland zur Besonnenheit auf und bot am Dienstag eine gemeinsame Untersuchung der Anschlagserie in der indischen Finanzmetropole an. Indische Ermittler machen die in Pakistan beheimatete islamistische Gruppe Lashkar-e-Taiba für die Taten verantwortlich, bei mehr als 180 Menschen ums Leben kamen.

Pakistan müsse auf seinem Staatsgebiet lebende Personen, die vor der indischen Justiz flüchtig seien, festnehmen und ausliefern, sagte Mukherjee. Sein Ministerium hatte am Montag betont, wenn Pakistan - wie von der dortigen Regierung erklärt - eine qualitativ neue Beziehung anstrebe, müsse es entsprechend handeln. Eine militärische Reaktion sei aber nicht geplant, sagte der Minister. "Niemand spricht von Militäraktionen."

Mukherjee machte in einem Fernsehinterview deutlich, dass eine Untätigkeit Pakistans den Friedensprozess der beiden asiatischen Länder gefährde. Indien habe nicht die Absicht, die Friedensbemühungen in Frage zu stellen, sagte Mukherjee, Wenn Pakistan aber nicht angemessen auf die Anschläge reagiere, werde es schwierig sein, zur Tagesordnung überzugehen, "und dazu gehört der Friedensprozess".

Zu den Verdächtigen, die Indien überstellt bekommen will, gehört Regierungskreisen zufolge der meistgesuchte Mann des Landes, die Unterweltgröße Dawood Ibrahim. Er wird wegen der Bombenanschläge in Bombay im Jahr 1993 gesucht, bei denen mindestens 250 Menschen getötet wurden. In Berichten ist er auch mit der aktuellen Anschlagserie in Bombay in Verbindung gebracht worden. Außerdem stehe auf der Liste der pakistanische Geistliche Maulana Masood, hieß es. Er gilt als Geldgeber der Lashkar-e-Taiba, der auch der Anschlag auf das indische Parlament 2001 angelastet wird. Die Tat hätte seinerzeit beinahe einen Krieg zwischen den beiden atomar bewaffneten Staaten ausgelöst.

Der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi warnte in einer Rede vor gegenseitigen Schuldzuweisungen und betonte, sein Land wolle gute Beziehungen zu Indien. "Die Regierung Pakistans hat Indien einen gemeinsamen Untersuchungsmechanismus und eine gemeinsame Kommission angeboten", sagte Qureshi. Für Indiens Ministerpräsidenten Manmohan Singh, der sich bis spätestens Mai einer Wiederwahl stellen muss, stellt die Reaktion auf die Anschläge Beobachtern zufolge einen Drahtseilakt dar: Für das heimische Publikum muss er entschlossen reagieren, um sich keine sicherheitspolitische Blöße zu geben. Zugleich dürfte er aber kein Interesse daran haben, die wackelige regionale Machtbalance zu gefährden.

Der Chef der indischen Marine, Admiral Sureesh Mehta, räumte im Zusammenhang mit den Anschlägen von Bombay ein "systemisches Versagen" der Sicherheitskräfte und Geheimdienste ein, das nun behoben werden müsse.

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