Tibet-Konflikt
China will Vertreter des Dalai Lama treffen

Gut drei Monate vor den Olympischen Spielen hat China einen Dialog mit dem Dalai Lama angekündigt. Die Regierung werde in den kommenden Tagen Kontakt mit Vertretern des geistlichen Oberhaupts der Tibeter aufnehmen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Das wäre ein Kurswechsel im Tibet-Konflikt.

HB PEKING. Der Dalai Lama habe wiederholt um die Wiederaufnahme eines Dialogs gebeten, sagte ein chinesischer Regierungsvertreter der Agentur. „Daher wird die zuständige Abteilung der Zentralregierung Beratungen mit dem privaten Repräsentanten des geistlichen Oberhaupts beginnen.“ Die Regierung hoffe, dass der Dalai Lama infolge des Dialogs glaubwürdige Schritte unternehme und die Aktivitäten stoppe, die auf eine Spaltung Chinas zielten.

Ein Sprecher des Dalai Lama sagte, China habe die Botschaft noch nicht der Exil-Regierung übermittelt. Der Dalai Lama sei der Lösung des Tibet-Themas aber verpflichtet. „Und der einzige Weg, die tibetischen Probleme zu lösen, ist durch Gespräche mit den chinesischen Vertretern von Angesicht zu Angesicht und dadurch, die Beschwerden des tibetischen Volkes anzugehen.“

Der Dalai Lama hat erklärt, er strebe eine größere Autonomie für Tibet an, aber keine Unabhängigkeit. Mit einem Dialog würde China einen Kurswechsel im Tibet-Konflikt einleiten, in dem es trotz internationalen Drucks direkte Kontakte mit der Exil-Regierung bislang abgelehnt hat. Nach den tibetischen Protesten im März hat die Regierung in Peking dem buddhistischen Oberhaupt vorgeworfen, Drahtzieher der Gewalt zu sein.

Druck auf Peking machten zuletzt auch die USA und die Europäische Union. Die Lage in Tibet war am Freitag auch eines der zentralen Themen beim Treffen von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Peking mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao. Dieser sprach schon vorab von einem Besuch „zu einem sehr wichtigen Zeitpunkt“.

Das Eingehen auf den Gesprächswunsch des Dalai Lamas schien sich schon beim Treffen Barrosos mit Wen anzudeuten. Er sei zuversichtlich, dass es schon bald eine „positive Entwicklung in dieser Frage geben werde“, sagte der EU-Kommissionspräsident nach der Beratung.

Interpol warnt vor Terroranschlag

Indes warnte Interpol vor einem Terroranschlag während der Olympischen Spiele in Peking. Es sei „sehr wahrscheinlich“, dass Al-Kaida oder eine andere Extremistengruppe ein Attentat in Peking plane, sagte Interpol-Chef Ronald Noble zu Beginn einer Sicherheitskonferenz in Peking. Zudem seien gewaltsame Proteste und Störaktionen pro-tibetischer Demonstranten zu erwarten. Die Olympischen Spiele seien gerade wegen ihrer symbolischen Strahlkraft und des weltweiten Publikums ein strategisch reizvolles Ziel für Extremisten.

„China wird seine Türen für Hunderttausende ausländische Besucher und Journalisten öffnen und Milliarden Menschen werden das Ereignis im Fernsehen mitverfolgen“, sagte Noble. Dies würde bedeuten, dass Terroristen im Vorfeld der Spiele sich leichter einschleusen könnten und dass ein Olympia-Anschlag sofort globale Auswirkungen hätte.

Die chinesischen Sicherheitskräfte gehen gut drei Monate vor den Spielen bereits hart gegen Demonstranten und Aktivisten vor, die das Sportereignis stören könnten. Die Regierung in Peking wirft außerdem Uiguren im äußersten Westen des Landes vor, mit Hilfe von El-Kaida einen Anschlag zu planen. Die muslimisch geprägte Region strebt einen unabhängigen Staat namens Osttürkistan.

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