Tibet weiter von der Außenwelt abgeriegelt
China verstärkt Truppen in Sichuan

Die chinesische Regierung hat wegen der Protestbewegung in Tibet und zwei Nachbarprovinzen ihre Truppenpräsenz deutlich verstärkt. Die chinesischen Staatsmedien räumten zudem am Donnerstag erstmals ein, dass es auch in den Nachbarprovinzen von Tibet zu Protesten gegen die Zentralregierung gekommen ist.

HB PEKING. Eine Tibeterin im Nordwesten von Sichuan sagte telefonisch: „Es sind viele, viele Soldaten da. Ich habe Angst, das Haus zu verlassen.“ Sie habe von zahlreichen Verhaftungen gehört, sagte die Bewohnerin des Bezirks Aba. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua sprach von „Unruhen in den von Tibetern bewohnten Gegenden in den Provinzen Sichuan und Gansu“. Xinhua machte dafür ebenfalls Anhänger des Dalai Lama verantwortlich.

In Aba, das auf Tibetisch Ngawa heißt, seien am Sonntag Geschäfte und Regierungsgebäude angegriffen worden, meldete Xinhua. Ähnliche Vorfälle habe es in fünf Regionen der Provinz Gansu gegeben. Auch aus der Provinz Quinghai wurden Proteste gemeldet.

Der Dalai Lama erklärte sich am Donnerstag wegen der Gewalt in seiner Heimat zu Gesprächen mit der chinesischen Führung bereit. Auch mit Präsident Hu Jintao wolle er reden, erklärte das geistliche Oberhaupt der Tibeter im indischen Dharamsala. Das Treffen solle aber nicht in Peking stattfinden. In die chinesische Hauptstadt werde er nur reisen, wenn es in dem Konflikt „eine wirkliche konkrete Entwicklung“ gebe. Die chinesische Regierung hatte ihre Verbalattacken gegen den Dalai Lama am Mittwoch weiter verschärft und ihn als „Wolf in Mönchskutte“ bezeichnet.

Die chinesischen Behörden haben Tibet und die angrenzenden Provinzen weiter für alle Ausländer abgeriegelt. Damit wird eine Region isoliert, die vier Mal so groß wie Frankreich ist. Am Donnerstag wurde einem Fotografen der Nachrichtenagentur AP der Flug in die Provinz Yunnan verweigert. Bewaffnete Polizisten waren am Flughafen postiert. Mindestens 80 Lkw mit Plizisten waren Augenzeugen zufolge auf dem Weg nach Tibet.

Das Außenministerium in Peking äußerte sich unterdessen „ernsthaft besorgt“ über eine Ankündigung des britischen Premierministers Gordon Brown, im Mai mit dem Dalai Lama zusammenzutreffen. Der Sprecher des Außenministeriums, Qin Gang, forderte nach einer Meldung von Xinhua, dass kein Staat dem Dalai Lama ein politische Forum bieten dürfe. Dieser sei ein „politischer Flüchtling, der an Aktivitäten beteiligt ist, China unter dem Deckmantel der Religion zu spalten“.

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