Tiefe Rezession
Euro-Zone stellt sich auf Hilfsaktion für Spanien ein

Eine Rettungsaktion der Euro-Zone für Spaniens Banken scheint immer näher zu rücken: Das Land leidet unter den Spätfolgen der Immobilienkrise und hoher Arbeitslosigkeit. In den EU-Institutionen wächst die Nervosität.
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Brüssel, Frankfurt, MadridDie neusten Zahlen des spanischen Statistikamtes lassen die anderen Euro-Länder zittern. Sie bestätigen das, was Experten bereits befürchtet hatten: Spanien befindet sich in einer Rezession - seine Wirtschaft schrumpft. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sank die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. Bereits im Schlussquartal 2011 war die spanische Wirtschaft erstmals seit Ende 2009 wieder geschrumpft. Das Minus lag ebenfalls bei 0,3 Prozent. Damit ist die gängige Definition für eine Rezession - zwei Quartale mit negativen Wachstumsraten in Folge - nunmehr erfüllt.
Die schwachen Wirtschaftsdaten kommen in einer kritischen Phase. Seit einigen Wochen haben sich die internationalen Finanzmärkte auf Spanien eingeschossen - und die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen sind in die Höhe geschossen.

Die Bundesregierung und die EU-Kommission sprachen der Regierung in Madrid zwar demonstrativ ihr Vertrauen aus. Das Land mache bei der Haushaltskonsolidierung gute Fortschritte, sagte eine Sprecherin der EU-Behörde in Brüssel.

Experten schenken solchen Beteuerungen allerdings keinen Glauben mehr. „Die Euro-Zone wird um eine Rettungsaktion für die spanischen Banken nicht herumkommen“, sagte Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Wirtschaftsforschungsinstituts CEPS. Berechnungen der spanischen Notenbank zufolge beläuft sich der zusätzliche Kapitalbedarf der Geldhäuser aufgrund fauler Immobilienkredite auf 53,8 Milliarden Euro. Unter Einrechnung drohender Zahlungsausfälle bei anderen Krediten ergebe sich eine Finanzierungslücke von mehr als 100 Milliarden Euro, sagte Analyst Andrew Lim von der Banco Espirito Santo.

Auch in den EU-Institutionen wächst die Nervosität. Die spanischen Banken hätten den Preisverfall am Immobilienmarkt noch längst nicht verkraftet, hieß es in Brüssel. Darauf reagierten die Finanzmärkte immer empfindlicher. „Es kann jederzeit zu einem Käuferstreik für spanische Anleihen kommen“, sagte ein hoher EU-Diplomat dem Handelsblatt. Die Lage sei um so gefährlicher, weil sich internationale Investoren dann womöglich auch von den Anleihen anderer hochverschuldeter Euro-Staaten, allen voran Italiens, abwenden könnten.

Spaniens Außenminister José Manuel García-Margallo sprach von einer Krise gewaltigen Ausmaßes in seinem Land. Spanien leide unter der Immobilienblase, der niedrigen Produktivität und einer sehr schwachen Inlandsnachfrage.

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  • Sie fordern Transparenz der Finanzbeziehungen. Das war m.E. aber doch die Motivation der Politiker, den Euro einzuführen, weil seitdem völlig vernebelt wird, wer bestellt hat und wer bezahlen muss! Zum Thema Spanien: Hätte man seinerzeit (2010) Griechenland friedlich Pleite gehen lassen, hätte man wohl - wegen der Basel II-Vorschriften - die eine oder andere Bank oder Versicherung retten müssen, aber es wären immerhin unsere gewesen. Genau das wollte die Politikerkaste ihrem Wahlvolk aber nicht zumuten, eine 2. Bankenrettung auf Kosten der Steuerzahler. Dass ihr Weg der Verschleierung der mehrfach Teure, Desaströse ist, ist ihnen egal, weil der Zeitverzug zusätzlich Nebelkerzen schafft...

  • meines wissens sind die piraten die einzigen, die gegen den esm sind..

  • Was ist die Meinung der Piraten hierzu? Kostenlose Paella für alle?

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