Todesschwadrone und bezahlte Killer
Morde überschatten UN-Inspektion in Brasilien

Die UN-Gesandtin Asma Jahangir hat die Justizbehörden in Brasilien scharf kritisiert und ihnen Mitverantwortung für grobe Menschenrechtsverletzungen und Straflosigkeit vorgeworfen. Die Inspektionsreise der UN-Referentin wurde unterdessen von der zweiten Ermordung eines Zeugen innerhalb weniger Tage überschattet.

HB BRASILIA. Wie die Menschenrechts-Organisation „Justica Global“ in Rio de Janeiro mitteilte, wurde der 30-jährige Gerson Bispo am Donnerstag in San Antonio im Land Bahia von einem fahrenden Motorrad aus erschossen. Bispo hatte sich vor drei Wochen mit Jahangir getroffen und dabei die Aktionen der berüchtigten Todeschwadronen angezeigt, die unter anderem auch von Polizisten gebildet werden.

Vor zwei Wochen war im nordöstlichen Land Paraiba ein anderer Zeuge, der auch mit Jahangir gesprochen hatte, ebenfalls von vermummten Männern von einem fahrenden Motorrad aus getötet worden. „Es gibt keine Zweifel: hier sollte ein Zeuge ausgeschaltet werden“, meinte damals der zuständige Kommissar Jacob Cristo.

Zum Abschluss ihrer 20-tägigen Inspektionsreise hatte Jahangir am Mittwoch nicht nur die Polizei an den Pranger gestellt, sondern auch die brasilianische Justiz scharf kritisiert. Sie sei mitverantwortlich für die groben Menschenrechtsverletzungen und für die Straflosigkeit in Brasilien, meinte die UN-Referentin. Sie wolle der UN deshalb eine Inspektion der brasilianischen Justiz nahe legen. Die Polizei töte, mache die Familien der Opfer lächerlich und werde von Straflosigkeit geschützt, sagte Jahangir.

Die Vorwürfe lösten große Empörung aus. „Das ist Unsinn, diese Frau kennt die Justiz in Brasilien doch gar nicht“, meinte am Donnerstag der Präsident des Verfassungsgerichts Mauricio Correa. Der Chef des Obersten Arbeitsgerichts, Francisco Fausto, klagte: „Sind wir denn Irak, oder was? Wir lassen keine UN-Kontrolle zu“.

Allein im nordöstlichen Land Pará, einem der „Gewaltzentren“ Brasiliens, sollen Todesschwadronen und bezahlte Killer in den vergangenen Jahren Hunderte von Armen, Bauernführern, Kindern und Kirchenvertretern ermordet haben.

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