Treffen Merkel - Obama in Baden-Baden
„Deutschland gehört zu unseren wichtigsten Verbündeten“

Am Ende setzt Barack Obama wieder eine seine schärfsten Waffen ein - sein breites, entwaffnendes Lächeln.

BADEN-BADEN. "Danke schön", sagt der US-Präsident zum Ende der Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel auf Deutsch. Dann fügt er in Englisch hinzu: "Mein Deutsch ist leider nicht so gut wie Merkels ..." und grinst - doch ohne das erwartete Wörtchen "Englisch" hinzuzufügen. Leicht verunsichert lächelt die Kanzlerin und flüstert ihm vorsichtshalber zu, dass ihr Englisch natürlich auch nicht so gut sei wie seins.

Die kleine Szene ist typisch für Obamas ersten offiziellen Deutschlandbesuch als amerikanischer Präsident. Denn oberflächlich ist alles auf Jubel eingestellt. Wo immer die wenigen Zuschauer im abgeschotteten Baden-Baden eine Chance haben, den demokratischen US-Präsidenten zu sehen, jubeln sie ihm zu. Auch sein Empfang in Straßburg war euphorisch. Der Präsident lächelt, verteilt Freundlichkeiten. Die USA seien nur "einer von vielen Nato-Staaten", er sei gekommen, um zuzuhören.

Aber seit Obama aus London zum Nato-Gipfel nach Straßburg und nun Baden-Baden gekommen ist, schwingt bei ihm noch eine andere Melodie mit. Zwar lobt er die Kanzlerin und das Gastgeberland. "Deutschland ist einer unserer wichtigsten Verbündeten." Er dankt Merkel persönlich für ihre "Freundschaft und Führungskraft." Aber dann kommt wieder eine Formulierung, die zweideutig ist. Merkel habe Weisheit, Führungskraft und Hartnäckigkeit gezeigt bei der Vertretung der Interesse ihres Landes. Das kann auch bedeuten, dass sie in London auf dem Weltfinanzgipfel nicht einsichtig war. Immerhin hatten die USA wie etliche andere Staaten größere Anstrengungen von Berlin gefordert, die Konjunktur anzukurbeln.

Ganz sicher fühlt sich Merkel bei aller Freundlichkeit also nicht - und begrüßt ihn deshalb versehentlich auch bei "seinem ersten Besuch in den Vereinigten Staaten". Und tatsächlich macht Obama mit diplomatischem Geschick sehr deutlich, was er will - etwa bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Natürlich sei er stolz auf die Ergebnisse des Weltfinanzgipfels. Die USA blieben auch sicher der größte Konsumentenmarkt weltweit. Aber dann schiebt er hinterher, es könne weder dabei bleiben, dass die Amerikaner weiter alles auf Kredit finanzierten - noch bei den Ungleichgewichtigen im weltweiten Handel. Das ist ein kleiner Schuss gegen Deutschland mit seinen riesigen Exportüberschüssen.

Und beim Thema Afghanistan lobt Obama erst den deutschen Beitrag. Dann fügt er hinzu, dass die USA von allen Nato-Partnern erwarteten, mehr zu tun. "Und auch Deutschland wird dem sicher gerecht werden", sagt er bedeutungsschwanger. Die Botschaft hat Merkel denn auch verstanden. "Von Afghanistan hängt der Erfolg des Bündnisses ab", betont auch sie, ohne aber konkret zu werden.

Doch letztlich bleibt es beim Schnuppern in Baden-Baden. Man startet die Beziehung ja gerade erst. Es dominieren die netten Bilder, etwa wenn Merkel und Obama vor der Stiftskirche die Ehrenformation abschreiten. Da ist es fast rührend, wie der schlaksige Obama so lange vor der Fahne der Ehrenformation der Bundeswehr verharrt, dass ihn die Kanzlerin weiterziehen muss. Da wirkt er wieder ganz wie der große Junge, der kein Wässerschen trüben kann - auch das ein Erfolgsrezept des mächtigsten Mannes der Welt.

Nur einer freut sich am Ende uneingeschränkt. Nach dem abendlichen Konzert der Nato-Staats - und Regierungschefs, der Außen- und Verteidigungsminister stellt sich Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier vor die Kameras - und lobt Obamas Ankündigung einer atomwaffenfreien Welt überschwänglich. "Die Ankündigung ist in ihrer Tragweite nicht zu überschätzen."

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