Treu und Glauben
Wie das Fürstentum Liechtenstein sein Image poliert

Liechtenstein wird auf der Liste der weltweit undurchsichtigsten Bankenzentren unter den ersten fünf Plätzen aufgezählt. Nun sorgt sich das Fürstentum um seinen guten Ruft - und läutet mit dem „Liechtenstein Dialog“ ein neues Kapitel im Standortmarketing ein.

VADUZ. Ganz vorne sitzt der Erbprinz. Alois von und zu Liechtenstein trägt das Haar kurz, die Wangen sind gerötet. Er sieht keinen Tag älter aus als 36 Jahre, und die Erziehung bei der königlichen Militärakademie im britischen Sandhurst hat seiner Haltung gut getan. Der graue Anzug wirft auch an den Schultern keine Falte.

Der Onkel, Prinz Nikolaus, Botschafter des Fürstentums bei der EU, sitzt weiter rechts. Hinter ihm blickt Fred Kindle durch seine Brille, die ihm etwas Markantes verleiht. Auch er Liechtensteiner und bald Chef von ABB. Daneben schlägt Michael Hilti die Beine übereinander. Der Herr der Bohrmaschinen hat den internationalen „Liechtenstein Dialog“ in einer umgebauten Fabrikhalle am Rande Vaduz’ zum Thema Steuerwettbewerb mitbezahlt. Jetzt streicht er zufrieden über seinen Schnauzbart und erklärt, dass eine Firma allein wegen günstigerer Steuersätze doch nicht seinen Standort verlegen würde – ein Satz, so weich gespült und passend zum Thema, dass ihn sich auch eine Werbeagentur hätte einfallen lassen können.

Tatsächlich ist der Liechtenstein Dialog Teil einer breit angelegten Kampagne, die seit dem Sommer läuft und vor allem ein Ziel hat: das Image des Zwergstaats zu ändern. Weg vom reichen Bankenzentrum mit zwielichtigem Ruf, hin zu einem modernen, sauberen Finanzplatz. Denn noch immer steht das Zentrum der internationalen Briefkastenindustrie auf einer schwarzen Liste der OECD. Einer Liste, die Nationen anprangert, die als Hort allerlei Steuersünder gelten und bei der Aufklärung von Wirtschaftsstraftaten als „nicht kooperativ“ eingestuft werden. Seit der Existenz dieser Liste sorgt sich der Fürst, der einen Großteil seines Wohlstands der eigenen LGT-Bank verdankt, offenbar um die Zukunft des Bankenplatzes. Und gibt nun viel Geld fürs Standortmarketing aus, weil Treu und Glauben allein nicht mehr genügen.

So hat die Alpenidylle neben den schon lange bestehenden Botschaften in Wien und Bern inzwischen acht Auslandsvertretungen eingerichtet – etwa in Berlin, Brüssel und Washington. Und sie hat neue, härtere Gesetze gegen Wirtschaftskriminalität erlassen. All das hat aber noch nicht für einen grundlegenden Imagewandel gereicht.

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